Offside im Wedding

Ich habe ein neues Wohnzimmer.

Nachdem mein Frosch so überraschend gestorben ist, musste ein neues Wohnzimmer her und das war gar nicht so einfach. Mein Wohnzimmer muss immer ein wenig verlebt sein, aber nicht so sehr, dass es wirkt wie eine Bahnhofskneipe, in der es Tage alte faltige Bockwurst aus einem dieser keimigen Heizspriralbehälter gibt, die Tische sich nicht mehr vom Boden lösen lassen und die immergleichen Provinzalkoholiker seit Äonen an ihren Tresenstühlen festgewachsen sind. Es muss guten Whisky geben, auf einer Karte, die mich inspiriert, Neues zu probieren. Ich möchte nette Menschen drinsitzen haben, bei denen ich nicht den Drang habe, sie ständig ohrfeigen zu wollen, und es soll bitteschön geraucht werden – ich mag diese verruchte Atmosphäre, den gnädigen Schleier, den das Rauchen schafft, denn ich leide körperliche Qualen in den blankgeleckten Cocktailbars der sterilen Menschen meines Bezirks, die jede Türklinke vor dem Berühren mit Sagrotan abwischen und den ganzen Abend an einer Lucques-Olive auf einem Mini-Crostini mit veganem Bärlauchpesto-Pulver rumlutschen.

Wer einen Blog hat und sein Leid in die Tastatur klagt, der hat manchmal das Glück, dass jemand mit Ahnung etwas Gutes empfiehlt: Das Offside im Wedding.

Da sind wir also, da sitze ich. In meinem neuen Wohnzimmer. Besoffen. Fröhlich. Selig. Glücklich.

Gemütlichkeit – dieses bessere aller urdeutschen Worte (verglichen mit Blitzkrieg, Konzentrationslager, Verrrbotten und schäääbigerrr Lump) passt hier wirklich gut. Natürlich muss ich für so etwas rüber nach Wedding, ist doch klar. Viel Whisky, viel Ahnung davon, voll nett, voll verraucht, voll geil, keine Irish-Pub-Tourischeiße mit Brandflecken vom Bunsenbrenner, kein Nepp, keine Verarsche, nur ehrlicher Suff in einem ehrlichen Bezirk.


Offside
Jülicher Straße 4
Wedding

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