Lass mal netzwerken – Links vom 17.11.13

Ich habe den Feedreader ausgemistet. Rausgeflogen sind diese ganzen superwitzigen Content-Reblogger mitsamt ihrer aufdringlichen Werbung für jeden Scheiß und ihren immergleichen supersüßen Ottervideos (Ottercontent ist der neue Faultiercontent ist der neue Katzencontent). Die Blogger mit den sinnlosen Gewinnspielen und ihre Buddies mit den untergejubelten Amazon-Partnerlinks habe ich gleich mit entsorgt. Ich kann es nicht mehr sehen, wie sie für Centbeträge oder eine prominente Verlinkung tricksen und täuschen.

Übrig blieb trotzdem ’ne Menge Lesenswertes:

Gentrification BlogBerlin: Hauswächter statt Hausbesetzer
Ich bin zu alt, um immer noch Häuser zu besetzen, aber ich wünschte, die Jugend würde es wieder tun – anstelle von diesem biederen, angepassten Scheiß wie Hauswächter spielen, damit sich ein Immobilienhai den Wachschutz spart.

Dazu:

Initiative Solidarische StadtAm Schlesischen Tor Berlin: Bio-Company will alteingesessenes Kleingewerbe ohne Kompensation verdrängen
Chef, kann ich heute schon um 3 Feierabend machen? Ich muss ein bisschen Solidarität mit einer alten Dame üben.

Burks‘ BlogDer Arnika-Tester
Glückwunsch. Willkommen in der Homöopathiehölle. Ich kann gut nachfühlen.

Und wo wir gerade beim Thema sind:

ScienceBlogsEin neuer Tiefpunkt der Alternativmedizin
Bachblüten gegen Kindesmisshandlung. Geht’s noch?

Ismaninger OnlineIsmaninger Online ist gescheitert
Die Euphorie der hyperlokalen blogartigen Netzzeitungen ist verflogen. Es trägt nicht, das Geschäftsmodell. Unser lokales Käseblatt im Netz, die Prenzlauer Berg Nachrichten, ist trotz ambitioniertem Start vor zwei Jahren und teils wirklich guter Artikel nie über den Status eines BVV-Pressemitteilung-Rebloggers mit Gastrotipps und Kieztratsch, den man in jedem besseren Kita-Umkleideraum hört, hinausgekommen. Dazu kommt: Zu bieder. Zu brav. Kuschelig. Sanft. Keine klare Kante. Es allen recht machen wollen.
38 Flattrs (darunter einmal ich), 7.700 Facebook-Likes und 204 +1 sind es in zwei Jahren bei geschätzten über 500 Artikeln geworden, das ist für den Anspruch bezeichnend schwach – und ich ahne, woran das unter anderem noch liegen mag: Kaum Vernetzungsmöglichkeiten, kein Forum, keine Möglichkeit für Backlinks, nicht mal beim Kommentieren kann man seine URL angeben, sowieso kommentiert kaum jemand dort, wahrscheinlich weil man sich vorher umständlich registrieren muss. Oder weil’s keiner kommentierenswert findet.
Dazu kommt natürlich die chronische Linkfaulheit dieser Netzzeitungen, die wir auch aus normalen Blogs, die nicht den Anspruch einer digitalen Lokalzeitung erheben, kennen. Eine Einbahnstraße. Ein schwarzes Loch. Alles geht rein, nix raus. Warum sollte man als Blogger diese Inhalte teilen?
Ich glaube, auch das Experiment in Prenzlauer Berg wird nicht gut ausgehen, auch wenn man es jetzt mit dem klassischen Mäzenatentum eines Förderkreises versucht. Es ist leider so: Es trägt nicht, das Geschäftsmodell. Zumindest so nicht.

die SchrottpresseSie betreten Schlaand
Oh ja, ich kann nachfühlen. Leider komme ich manchmal nicht umhin zu fliegen und beherrsche mich bei der Sicherheitskontrolle nur noch mit Mühe, wenn uniformierte Schwachköpfe in meiner Laptoptasche rumkramen und mit großem Interesse jede Einzelheit meiner Papiernotizen begutachten. Terror ist es inzwischen nicht mehr, dass die Möglichkeit besteht, dass einer ein Flugzeug kapert, sondern die intimitätsverletzende Behandlung durch das Sicherheitspersonal. In Schönefeld fassen sie mir manchmal beim Durchsuchen an die Eier. Dann schließt sich meine Faust in der Tasche und ich bekomme Lust, Nasen zu brechen. Was kommt als nächstes? Ziehen sie mir die Vorhaut zurück und kucken mit der Lupe in die Harnröhre, ob ich mir Sprengstoff in kleinen Stäbchen eingeführt habe? Oder gleich das: Beugen Sie sich bitte vor und halten Sie die Kimme auseinander, ich möchte eine Rektaluntersuchung vornehmen.
Ich habe begonnen, das Fliegen zu hassen.

man tauWie man aus Jungen Ritter bastelt (und nebenbei Sadismus fördert) – Zur Politik der häuslichen Gewalt
Aus der Rubrik „Dinge, die der Mainstream nie thematisiert“.

der spiegelfechterDer Fall Hoeneß: Mir kommen die Tränen bei so viel Tränen
Ein trauriger Verein mit einem traurigen Clown an der Spitze.

Charming QuarkIch wurde weit weg vom Meer geboren …
Meer. Sehnsuchtsort. Ich will mal am Meer alt werden.

KonsumpfWerbung wirkt immer weniger
Ich bin so weit und habe mich selbst konditioniert. Werbung ist nur noch Rauschen, ich blende das aus. Es ist mir gar nicht mehr unangenehm, wenn ich die WWF-, Rotes Kreuz- oder Amnesty International-Drücker am S-Bahnhof, die sich mir in den Weg stellen, nicht einmal mehr anschaue, weil ich sie nicht mehr wahrnehme. Ich klicke Werbung überall automatisch weg, deren Botschaft nicht einmal mehr in Fragmenten in mein Bewusstsein dringt. Ich lese Texte und kann das Blinken, Tröten und Hupen auf der ganzen Seite mental ausschalten, wenn es der AdBlocker nicht macht. Selektive Wahrnehmung – man kann das üben und es hilft ungemein. Sie erreichen mich nicht mehr. Mit gar nichts. Werbung ist nur noch eine Obstfliege, die man nebenbei wegwedelt.

netzwertig.comYelp vergeigt die Abwicklung von Qype
Liebe Ex-Qyper, die hier zum Teil mitlesen, ich will ja nicht sagen, dass ich das damals gesagt habe, aber ich hab‘ das damals gesagt. Es geht nicht um euer Befinden, geht es nie. Es geht um eure Datensätze und den Content, den Ihr produziert habt und produzieren werdet. Der Rest ist egal – inklusive der Frage, ob es Euch gut geht oder nicht. Ich wünschte mir, ich hätte mir den Roman gespeichert, den ich damals in der Gruppe dazu geschrieben habe. Es ist genau so eingetroffen.

Bei Qype gab es damals eine Power-Userin namens Mecky, die nach Bekanntgabe der Übernahme durch Yelp fast ein Jahr lang darum gebettelt hat, mit ihren Wünschen und Befindlichkeiten ernst genommen zu werden und die fast täglich damit drohte, ihre „mehr als 1.000 Beiträge und 5.000 Bilder zu löschen.“ Man nahm sie nie ernst und sie ist immer noch dabei und schreibt und schreibt und schreibt – jetzt bei Yelp. Solche Content-Melkkühe halten das große Rad am Laufen und von ihnen gibt es mehr als genug. Um Einzelne geht es nicht, das war doch klar.

Umso lustiger ist es, aus der Ferne mit anzusehen, dass man es sich jetzt wohl mit der breiten Masse verscherzt hat. Das ist gefährlicher, weil die Reputation zur Hölle fährt. Das wird noch interessant.

Mehr davon:

SozialgeschnatterYelp vs. Qype: Attacke des Killer-Filters (inkl. Presseschau)

Der PabstblogWem gehören die Internetbewertungen eines Unternehmens?

Systematisch KaffetrinkenAbgeYelpt! 3 Tipps, wie Sie Yelp bewerten können

internet world businessHändler-Sturm der Entrüstung gegen Yelp

GründerszeneFührt die Integration in Yelp zu Negativ-Verzerrung ehemaliger Qype-Profile?

prenzlwebQype ist tot, Yelp macht es (wohl) nicht besser. Kritik an bezahlten Empfehlungsportalen.

seranomediaDer Yelp-Beitragsfilter

LVQWarum wir den Bewertungslink zu Qype und Yelp gelöscht haben

Das muss man als Social Media-Unternehmen erstmal schaffen. Meine Hochachtung. Es ist ein unsympathisches Portal. War es immer.