Die große Berlin-Frage: Tierpark oder Zoo?

Weil ich in einer sehr reichen Stadt wohne – so ziemlich der reichsten Stadt des Landes, ach was, des Kontinents, haben wir zwei Orte, an denen man Tiere hält: Den Tierpark im Osten und den Zoo im Westen.

Wer wissen will, warum die Stadt Berlin so furchtbar reich ist, der schaue sich an, was es hier alles doppelt und dreifach gibt: Opern, Theater, Galerien, massenhaft Museen und eben Tierparks. Und das ist deswegen so, weil man 1990 zwei Stadtverwaltungen (= zwei Subventionstöpfe) zusammengelegt hat, aber kein Interesse daran hatte, alte Zöpfe abzuschneiden, sondern lieber ein paar neue gebar. Lasst uns exemplarisch mal ein paar Fragen stellen:

Braucht die Stadt tatsächlich drei Opern für die Oberschicht, deren Eintrittskarten sie aus Steuermitteln quersubventioniert? Wem nützt das? Darf man diese Fragen überhaupt stellen ohne mit dem Knüppel der Kulturlosigkeit geschlagen zu werden?

Die Stadt leistet sich auch eine mit einem Millionenbudget ausgestattete fragwürdige Hochschuldisziplin namens „Gender-Studies“ an allen drei Berliner Universitäten (sogar an den Ingenieurwissenschaften der TU), in denen lebenszeitverbeamtete Professorinnen in der kaminwarmen Gemütlichkeit ihrer aus Steuermitteln finanzierten C-Besoldung gemeinsam mit einem aufgeblasenen Hofstaat ihr eigenes Weltbild erforschen, das an der Lebenswirklichkeit aller Frauen und Männer außerhalb von Berliner Twitterblasen komplett vorbeigeht. Zeitgleich kürzt man seit Jahren die Zuwendungen für Obdachloseninitiativen, so dass Einrichtungen geschlossen werden müssen, weil es an einem Bruchteil dieser Summen fehlt. Muss das sein? Wem nützt das? Darf man diese Fragen überhaupt stellen ohne mit dem Knüppel der Frauenfeindlichkeit erschlagen zu werden?

Und von diesem sinnlosen Geldgrab von Flughafen, den sinnlosen Milliarden für die sinnlose Berliner Bankgesellschaft und von der sinnlosesten Autobahn der Welt durch den deshalb bald nicht mehr schönen Treptower Park wollen wir gar nicht erst anfangen. Darüber empören sich andere schon zur Genüge. Ich bin der Empörung müde.

Ja, komisch, an Fragen wie diese geht man nicht ran, so wie man prinzipell keine Ausgaben auf den Prüfstand stellt, die den Direktoren aus den Villenghettos und ihren Ziehkindern aus den durchgentrifizierten Innenstadtbezirken nutzen. Lieber kürzt man mit der Gefühlskälte von Technokraten unter dem Vorwand der Finanznot weiter bei Erwerbsloseninitiativen, Jugendhilfeeinrichtungen, Sozialarbeitern und rasiert den sozialen Wohnungsbau, lässt die Schulen verrotten, den öffentlichen Nahverkehr vor die Hunde gehen, scheißt mit Ausnahme der Parkraumbewirtschaftung auf die öffentliche Ordnung, verheizt die Lehrer, die noch nicht mit Sack und Pack nach Baden-Württemberg geflohen sind, verramscht das Tafelsilber und die Filetstücke an Finanzhaie, unterwirft die Alternativkultur dem Renditezwang des Immobilienmarkts, hofiert Investoren, die ihre Mieter verdrängen und schmeißt zu allem Überfluss die eigenen Azubis nach der Abschlussprüfung achtkantig raus anstatt man einfach mal die vielen bequemen Polster und Spielwiesen altgedienter Parteifreunde und ihre ganzen elenden Schiebereien konsequent und dauerhaft aus dem Budget radiert.

Und so sitzt hier ein jeder in Ost und West auf seinem Subventionsklammerbeutel, lässt sich pudern und schreit ganz laut, wenn irgendwo in einer der folgenlosen Sonntagsreden überlegt wird, doch mal ein bisschen was von irgendeinem der zahllosen Wasserköpfe abzubauen.

Diese Stadt hat aus dem Kalten Krieg kaum etwas übrig gelassen – außer ihrer Fördermentalität und den altbewährten Berliner Filz, den sie einfach aus dem Westen in den Osten der Stadt ausgedehnt hat. Wer im Schatten des wie Mehltau über der Stadt liegenden Subventionstrusts keine Mittel erhält, weil er zu wenig Leute kennt respektive die falschen ins Borchardt eingeladen hat, der versucht es einfach über die EU. Dort ist genug zu holen. Es werden inzwischen Seminare angeboten, wie man erfolgreich und dauerhaft EU-Mittel akquiriert. 4.500 € für ein Aufbauseminar, aber hey, das ist nur die Vorleistung, das holt man mit den Fördermitteln locker wieder rein oder kann es sich mit etwas Glück sogar als Werbungskosten aus dem EU-Budget erstatten lassen. Und, wow, bis zu 7% der eingestrichenen Fördersummen darf man ausgeben ohne die Verwendung nachweisen zu müssen. Das schreit doch nach Tänzerin Jay Jay aus der Tabu Bar, oder?

Und genau aus Gründen wie diesen haben wir zwei Orte in dieser Stadt, an denen Tiere gehalten werden. Es regnet Geld. Und Wasserköpfe. Denn vergessen wir nicht: Jede Institution, jeder Standort bringt wieder mindestens einen Versorgungsposten nebst Stab, Aufsichtsbehörde und Subventionsverwaltung mit sich, in dem ausgemustertes Personal rückstandsfrei verklappt werden kann. Wie bei der EU. Nur eine Nummer kleiner. Irgendwo müssen diese ganzen hochdotierten Personalsonderposten ja hin, wo sie möglichst nicht mit dem regulären Arbeitsmarkt in Berührung kommen.

Deswegen gibt es in Berlin neben Wowi ja auch 12 Bezirksbürgermeister nebst unzähligen Stadträten, jeder mit eigenem Wasserkopf und einem Rattenschwanz von Zuträgern, was nur getoppt wird von der Hauptverwaltung, dem Senat, in dem mehr Häuptlinge rumlaufen als es Indianer zu führen gibt. Hauptsache jeder Jurist, jeder Betriebswirt und jeder Soziologe mit Parteibuch findet seinen Posten, auf dem er ohne etwas Sinnvolles zu tun sein lebenslanges Auskommen findet.

Und weil das immer noch nicht feudal genug ist, streichen sie dem Fußvolk das Weihnachtsgeld, frieren die Bezüge ein und erhöhen die Arbeitszeit. Bravo.

Kommen wir zurück zu den Tieren: Wenn es nach mir geht, bräuchte es nur den Tierpark in Ostberlin. Er hat viel zu viel Platz, eigentlich ist er ein Landschaftspark, ein wunderschöner sogar, in dem gelegentlich mal ein paar Gehege zu sehen sind und die Tiere so viel Platz haben, dass man sie oft gar nicht in der Nähe der Gaffer sehen kann. Ich habe ein Kind und es liebt Tiere, natürlich tut es das. Und ich habe ein besseres Gefühl, wenn ich mit ihm in den Tierpark gehe und erkläre, warum Tiere möglichst viel Platz brauchen. Wenn man sie schon einsperrt.

Im Zoo in Westberlin ist so wenig Platz, dass es selbst harten Knochen das Herz erweicht. Eigentlich ist er ein einziger Zwinger mit verschiedenen Unterzwingern, nicht schön anzusehen, Käfig an Käfig, die Tiere wandern grenzdebil hin und her wie in der Nervenklinik, dafür kommt der Gaffer schön nah ran an das Tier und kann es ärgern, demütigen und mit Erdnüssen bewerfen, Völkerschau-Feeling, es schüttelt mich, ich wünsche den Tieren ein schöneres Leben. Ich mag den Zoo nicht.

Provokante These: Macht ihn doch einfach dicht, den Zoo, der ist so verflucht 19. Jahrhundert und müffelt nach Wilhelm Zwo, Frontstadt und Kolonialwarenladen. Und dann schafft die Vorstandsposten, die Beauftragten und den Wasserkopf ab. Das ist besser für die Tiere, die jetzt schon neidisch nach Friedrichsfelde kucken würden, wenn sie könnten, dorthin wo ihre Artgenossen wenigstens so aussehen als wären sie in Gefangenschaft glücklich.

Der Tierpark könnte wahrscheinlich den ganzen Tierbestand nebst angeschlossenen Arbeitsplätzen des Zoos schlucken ohne dass es groß jemandem auffallen würde.
Machen wir das doch zuletzt einfach an zwei Schnappschüssen mit Hornträgern fest.
Tierpark:
Zoo:
Was fehlt eigentlich noch?
Klar, fickende Tapire:
Nicht, dass hier noch Niveau Einzug hält…

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