Kein Dosendump, kein Zuckerteig: Da Gelo

Bitte was? Pizza in Treptow? Ja, ganz toll. Und dann auch noch in einem Kino. Nein, bitte nicht, lieber würde ich Labskaus auf einem Rasthof in Südbrandenburg, Sushi im Industriegebiet Friedrichsfelde-Ost oder Formschnitzel auf dem Kometen Hyakutake essen. Das klappt doch nie und nimmer, nicht in Treptow, der Heimat der grellgelben Werbebanner, der 50%-Dauer-Happyhour, der Billigheimer und Dosendumper, der Jägerschnitzel und Tütensoßen, der Instantkaffees und Kekspizzen, Analogkäses und der Fabrikbrötchen, Heimstatt aller Rabattjunkies und Gummipilzknechte, der XXL-Menüs und der Salz-meets-Fett-Jünger mit endstadiumsgeschädigtem Krüppelgaumen, die sich selbst nicht mehr spüren. Doch nicht hier. Bitte.

Doch.

Warum?

Weil ich mich geirrt habe.

Die Pizza ist unerwartet gut hier – und wie. Schnell, dünn, gut, lecker, geil. Und auf Wunsch mit scharfem Öl für das galante Wegbrennen von Zahnfleisch und Lippen. Geil Geil und Geil. Und noch ein Geil obendrauf.

Die Salatpräsentation, wenn es keine Pizza sein soll, ist nicht nur gut, sondern ausgesprochen amüsant. Der Salat kommt in einem frischgebackenen Pizzateig daher, der als Salatschüssel dient und mitverschluckt werden kann. Auch geil. Der Salat ist natürlich nicht gesund, weil mit Bratensoße, fluffigem Hähnchen und angebratenen Pilzen. Egal. Dreifach Geil.

Erst recht geil sind die Nudeln. Nicht nur günstig sondern auch noch gut. Perfekt al dente, zu meiner Freude nicht sahnemäßig zugesoßt und mit feinen Zutaten (zum Beispiel einem hochklassigen Schafskäse auf der Penne Arrabiata) versehen. Wie das für um die 5 Euro geht weiß ich nicht, ich finde, das ist alles mehr wert. Was? Ja: Geil.

Irgendwas muss doch hier nicht schmecken, vielleicht die Calzone? Die ist doch gerne mal innen roh und kalt und sonst ein Klumpen Scheißdreck, hergestellt aus dem Mist, der weg muss und sich im Magen gebärdet wie ein Medizinball.

Nein, auch die Calzone ist überraschend gut. Respekt. Und geil natürlich. Das ist ein gutes Lokal in einer ungewöhnlichen Lokalität.

Der außerordentlich gute Espresso und das für diese Stadt fast schon verstörend charmant-sympathische Personal, das mich fast schon glauben lässt, dass sie mich hier wirklich mögen, runden das in jeder Hinsicht gelungene Gesamtbild ab. So geht’s. Ja, genau so.

Der Erfolg gibt mir im Übrigen Recht. Es scheint fast so, als habe ganz Alt-Treptow auf ein solches Lokal gewartet, denn ich war mittags da und es war voll, rappelvoll, ein Andrang wie früher beim Schlussverkauf oder heute in Prenzlauer Berg, wenn ein neues Biosellerie-Fachgeschäft mit Trockenobst-Theke aufmacht.

Treptow holt auf. Man kann hier gut essen. Kaum zu glauben, aber mein Ernst.


Da Gelo
Elsenstraße 115
Treptow

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