Salut!

Böööööh Cocktailbars. Ich mag gar keine Cocktailbars. Da sitzen sowieso nur die immergleichen blasierten Schnepfen und stehkragenbewehrten Schnösel zwischen Touristen und Gymnasiasten herum, die sich alle minderwertige Spirituosen mit klebrigem Sirup reintun. Dort trinken sie dann so viel durcheinander, dass sie am nächsten Morgen von dem ganzen Fusel Kopfschmerzen und Dünnpfiff haben und der strapazierte Magen übersäuert gegen den Kaffee protestiert, mit dem man ihn zusätzlich traktieren möchte.

Furchtbar.

„Lust auf Cocktails?“

„Nö.“

„Komm. Cocktailbar. Die ist echt gut.“

„Nö. Keine Cocktailbar ist gut.“

„Doch. Die hier. Salut! In Schöneberg. Die ist gut. Die fragen dich, was deine Vorlieben sind und mixen dir dann aus anständigen Zutaten den perfekten Drink.“

Stimmt. Die fragen dich, was deine Vorlieben sind und mixen dir dann den perfekten Drink. So ist das da. Sie wissen, was sie da tun. 500 Cocktails sind im Repertoire. 8-jähriger Rum. Bacardi? Was? Bacardi? Die Assibrühe? Nein, Bacardi kann auch gut, das weiß nur keiner der Ballermannpappnasen, die das weiße Frostschutzmittel mit Cola saufen. Nur hier, hier wissen sie das, hier wissen sie, dass er mir schmecken wird.

Hier ist dein Drink. Es ist der 8-jährige Rum, ein Tropfen Veilchensirup, ein Stück Blutorange, Safranfäden, brauner Zucker, keine Ahnung was alles noch da drin ist, ist mir auch egal, denn es ist der perfekte Drink. Rund. Herb. Spritzig. Nicht zu süß. Volltreffer. Mein Geschmack. Und mein Magen bleibt friedlich.

Es sind kleine Drinks, natürlich, das bringt die Qualität mit sich. Es sind teure Drinks, zweistellig ist nicht selten, natürlich, das schmeckt man aber auch. Und es sind die Details. Die Prise Pfeffer. Das Glas, das man am Rand mit der Blutorange eingerieben hat.

Ein entspannter Laden. Nicht überdreht. Understanding. Man muss klingeln, um reinzukommen. Man sollte nicht zu spät kommen, sonst voll. Das Licht ist schummrig. Stilles Wasser wird gereicht und immer nachgeschenkt. Der, der das tut, ist der, der nach den Vorlieben fragt und weiß, nach was er fragen muss, weiß, was zum Charakter desjenigen passen könnte, den er vor sich hat. Und er trifft oft den Geschmack.

Unaufgeregte Musik trifft unaufgeregte Menschen trifft Stil und Klasse.

Ein Treffer. Ein schöner Abend. Ein extrem entspannter Ort. Es wird mit zunehmendem Alter immer schwerer, mich zu beeindrucken. Hier ist es passiert.


Salut!
Goltzstraße 7
Schöneberg
http://salut-berlin.de/

Da offenbar immer mehr Blogs den Weg zu bezahlten Werbenutten einschlagen (hinter diesem Link phänomenal gut in einem amüsanten Twitterrant zusammengefasst), hier ein Hinweis in eigener Sache: Ich habe alle meine Drinks selbst bezahlt, ich habe nicht mit dem Inhaber geschlafen und habe auch sonst keine Vorteile von der positiven Beschreibung dieses sehr angenehmen Orts. Es bleibt wie es ist: Hier gibt es keine bezahlte Werbung, keine versteckten Partnerprogramme und irgendwelche Direktüberweisungen will ich für das hier auch nicht haben. Wenn ich etwas gut finde, dann mach ich es umsonst, ohne dass mich jemand für den verbalen Blowjob bezahlen muss.

Schade, dass wir jetzt auch in den Blogs so weit sind, dies so ausdrücklich erwähnen zu müssen, um nicht mit den Kommerziellen in einen Topf geworfen zu werden.

 

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