Dickgebumst auf dem Herrenklo: Ein Bloggerjahr

28. Oktober 2013. Exakt ein Jahr Bloggen ist vorbei. So schnell geht das.

Es gibt Blogger, die veröffentlichen wöchentlich ihre Blogstatistiken und drehen sich gerne mal um sich selber. Bin ich kein großer Freund von. Ausufernde Statistiken um das eigene Ego sind etwas für Eitle oder Zahlenfreaks ohne Sex.

Aber nach einem Jahr Bloggen kann man das mal machen und dabei auch ein wenig zurück blicken.

Dieser Blog hier entstammt einer kuscheligen Bewertungsplattform namens Qype, in der ich mal schrieb und die es in drei Tagen schon nicht mehr geben wird. Als ich dort ankündigte, in einen eigenen Blog zu gehen, gab es Warnungen vor der großen rauen Welt außerhalb der Knautschkissengemütlichkeit von Qype, in der sich (fast) alle lieb haben. Warnungen folgten Warnungen. Vor dem Shitstorm. Dem Twittermob. Vor dem Gar-Nicht-Gelesen-Werden. Abmahnanwälten. Psychopathen. Stalkern. Oder auch nur vor dem unrühmlichen Ende als unendlich eitles Tagebuch über nachmittägliches Bügeln und Kinderkacke-aus-Stramplern-waschen, für das sich nicht mal die eigene Oma interessiert.

Ich hielt es selber für gar nicht so unwahrscheinlich, dass ich nach ein paar Wochen wirklich keinen Bock mehr darauf haben würde, Texte ins Internet zu schreiben, die außer den zwei bis drei besoffenen Kumpels und den mit der Zeit weniger werdenden Qypern keiner liest (und die im schlimmsten Fall auch nur aus Höflichkeit). Aber dann habe ich gelernt, dass man gar nicht für sich alleine schreibt, sondern sich langsam, ganz langsam vernetzt. Denn der Blog wurde plötzlich verlinkt. Von Serotonic. Von Herrn Mirus. Und von Herrn Schwenzel. Von Herrn Buddenbohm auch. Er hat es einmal zu Bildblog geschafft, einmal in die Netzlese vom Freitag, zwei mal zu rivva.de und fand sich nach einer Weile in einigen Blogrolls freundlich gesinnter Mitblogger wieder. Und irgendjemanden gibt es, der dafür sorgt, dass der eine oder andere Blogpost immer mal wieder bei Facebook und Twitter die Runde macht, obwohl ich da gar nicht angemeldet bin. Danke dafür.

Ja, Bloggen hat sehr schnell begonnen, Spaß zu machen und sorgt nebenbei für Stressabbau. Mich abends, wenn das Kind schläft, hinzusetzen und den Blödsinn, der mir begegnet, in einen Text zu gießen, ist reine Entspannung. Ein Ventil. Und solange die Worte noch fast von alleine in die Tastatur fließen, mache ich weiter. Wenn nicht mehr, dann eben nicht.

Google Analytics sagt, dass der Blog inzwischen im Durchschnitt um die 300-400 „unique visits“ am Tag hat und davon 65% regelmäßig wiederkehrende sind – eine nicht unerhebliche Anzahl davon ist seit Qype-Tagen dabei. Danke. Ich weiß nicht, was so die Standardzahlen sind, aber für mich ist das viel und freut mich sehr.

Das Ziel war es im ersten Jahr, keinen Tag ohne Blogpost zu lassen (nein, keine Wette, nur eine meiner eigenen blödsinnigen Zielvorgaben zwangsneurotischer Art, die weder Sinn noch Grund haben). Das hab‘ ich geschafft. Ob ich das künftig noch so hinkriege, weiß ich nicht und hängt sowieso davon ab, wie viele Irre meinen Weg kreuzen, wie viele mülltrennende Biohansel mit Bastschuhen und hässlichen Salzteigschildern an den Wohnungstüren hier noch in die Nachbarschaft ziehen, ob es genug krankes Zeug gibt, das mich aufregt oder ob ich irgendwo besonders gut oder besonders schlecht esse.

Klingt in dieser Stadt nicht ganz unrealistisch.

Hinsichtlich der Aufmerksamkeit von Texten gibt es im Übrigen folgende Regel: Je reißerischer die Überschrift, desto mehr Klicks. Fäkalien gehen richtig gut, irgendwas mit Betriebstoilette oder Texte, in denen ekelhafte Bilder eingebunden sind, Kotze oder Hundescheiße, gerne auch der Terminus Nazi, in welchem Zusammenhang auch immer, Schimpfworte gehen sowieso, aber natürlich auch Sexuelles aller Art. Ficken. Schweineporno. Dickgebumst auf dem Herrenklo meinetwegen. So weit – so erwartbar.

Überhaupt schickt Google über seine Websuche offenbar vor allem Menschen mit dem Wunsch nach abseitigem Sex hierher, normale Suchbegriffe sind die Ausnahme. Mehr dazu weiter unten.

So. Genug eitles Gehabe. Jetzt noch Statistik pur und ein paar Fundstücke. Eat this:

1. Übersicht

569 Blogposts wurden 2.252 Mal kommentiert (Danke), davon nur ca. 20 Mal von mir selber (Sorry).

Insgesamt wirft Google 274.385 Zugriffe in diesem einen Jahr aus, aber da sind alle möglichen Bots und Crawler mit bei. Sagt also nicht wirklich viel aus.

2. Die meistaufgerufenen Posts

Die Oberschicht schafft das Geld beiseite und mich regt das auf.

Eine Demo geht in die Hose und mich regt das auf.

Twitter ist eine hysterische Heulboje und mich regt das auf.

In Prenzlauer Berg gibt es außer einem teuer gewordenen Eis offenbar keine Probleme mehr und mich regt das auf.

Eine so wichtige Partei zersägt sich von innen heraus selber und mich regt das auf.

Subway stellt unerträglich viele Fragen und mich regt das auf.

  • 23.08.2013
    Mustafa
    1647 Aufrufe
    7 Kommentare

Touristen stehen vor einem ganz normalen Döner herum und mich regt das … nee, das regt mich nicht auf.

Blogger verlinken zu wenig und ich finde das schade.

Schwabenhass als rassistisches Substitut in Prenzlauer Berg. Und mich regt das auf.

Domian heult herum – ohne Reflexion, ohne Sinn und vor allem ohne Konsequenzen. Und mich regt das auf.

Muster erkennbar? Klar: Rants gehen sehr gut. Immer.

3. Die meisten Besucher kamen von

  1. https://www.facebook.com/
    5.587 Aufrufe
  2. https://twitter.com/
    3.622 Aufrufe
  3. http://www.bildblog.de/
    3.201 Aufrufe
  4. http://wirres.net/
    2.907 Aufrufe
  5. http://feynsinn.org/
    2.900 Aufrufe
  6. http://www.herzdamengeschichten.de/
    1.575 Aufrufe
  7. http://thorgefaehrlich.blogspot.de/
    1.449 Aufrufe
  8. http://forum.jurawelt.com/
    854 Aufrufe
  9. http://bitteleise.blogspot.de/
    630 Aufrufe
  10. http://stories-and-places.com/
    515 Aufrufe
  11. http://blog.schockwellenreiter.de/
    458 Aufrufe
  12. http://antiveganforum.com/
    439 Aufrufe
  13. http://www.tagesspiegel.de/
    428 Aufrufe
  14. http://www.freitag.de/
    394 Aufrufe
  15. http://genderama.blogspot.de/
    389 Aufrufe
  16. http://narrenschiffsbruecke.blogspot.de/
    383 Aufrufe
  17. http://kiekut.wordpress.com/
    259 Aufrufe
  18. http://landlebenblog.org/
    219 Aufrufe
  19. http://vilmoskoerte.wordpress.com/
    209 Aufrufe
  20. http://sunflower22a.wordpress.com/
    196 Aufrufe

Danke fürs Verlinken.

4. Abteilung WTF: Best of Hassmails

du bist so behindert du klugscheißerspast. ich könnt einfach nur kotzen wenn ich deine dumme fresse seh.

dann zieh doch endlich zum Hermannplatz zu den anderen Assis. Wir brauchen dich hier nicht.Du alter Sack hälst dich wohl für de Größten, kratz doch einfach ab, werf dich vom Balkon oder vor nen Zug und erspar uns dein billiges Gefasel.

Dein Scheißblog ist sexistische Kackscheiße!Hoffentlich holst du dir die Krätze an den Pimmel!

du hältst dich wohl für ein ganz cleveres bürschlein, aber du bist auch nur ein armes kleines würstchen mit minischwanz muhahahahaha

deine mutter fickt pferde und lutscht schweinepimmel!!

Dass jemand wie Sie ein Kind großziehen darf, ist eine Schande.


Freundchen, wenn du weiterhin unsere Seite für deinen Kommentarmüll mißbrauchst, werden wir weitere Schritte einleiten. Daran hindert uns auch nicht dein fehlendes Impressum, das mal vorab.
Wäre schön wenn sich beide Seiten diese Mühen ersparen könnten. Ersparen ist hier wörtlich zu nehmen.


Zieh weg . Wir brauchen dich hier nicht!! Keiner braucht dich !!!!Deine Scheiße tut beim Lwesen richtig weh DU Penner! Die Welt ist ein besserer Ort wenn DU endlich die Fresse hältst.

Ja häng dich auf! Oder knall dich ab. Mackerblogs braucht kein Schwein

Sehr ungeehrter Blogbetreiber (wer immer Sie sind), 
ich setze Ihnen eine Frist bis zum 15.05.2013, diese Beiträge, in denen Sie mich und alle übrigen BewohnerInnen des Prenzlauerbergs beleidigen und diffamieren, zu entfernen. Mein Anwalt ist informiert. Hetze ist kein Kavaliersdelikt!Es ist traurig, dass es Menschen wie Sie gibt. Sie tun mir leid.

Du hälst dich für witzig, ne? Biste aber nich du bist nur ein Wichsaaaaaaa!

Ich habe ihr Blog dem Jugendamt gemeldet. Ihr Kind ist zu bemitleiden. 

5. Best of Suchbegriffe

– 102 tage tot

Das wird noch mehr, ernsthaft.

– arsch frisst hirn

So war das schon immer.

– Blöde Touristen

Das ist eine Tautologie.

– brillenpisser

Das Gegenteil vom Sitzpinkler.

– darf man fuck sagen

Unbedingt.

– Dickgebumst auf dem Herrenklo

Und zwar bis die Keramik bricht und der Urimat heult.

– fette perverse häsliche alte granny

Dieses Bild krieg ich nie wieder aus meinem Kopf.

– fick das besoffene miststück

Aber bitte nur, wenn sie einverstanden ist. Oder er.

– fliegender teppich berlin kurfürstendamm

Das ist der neue Service der S-Bahn, wenn mal wieder Ersatzverkehr herrscht und Busse fehlen.

– folter mit kotze

Aufhören. Ich gestehe alles. Auch das was ich nicht weiß.

– furz wegatmen

Patentierte Atemtechnik, wenn der „Döner mit Alles“-Furz im Meeting rausrutscht. Oder im Fahrstuhl.

– geile, alte matronen ficken

Die Anfragen nach alten geilen Omas häufen sich. Das macht mir Sorgen.

– isch will nie ins altersheim

isch au net.

– keine yuppies in schöneweide

Nee, ganz sicher nicht. Da gibt’s nur Nazis. Fragt sich nur ob das besser ist.

– netto kacken

Nettokacke ist Kacke ohne Maiskörner. Die muss man abziehen, weil die nicht verdaut werden. Genau wie Paprikaschalen.

– Omas beim Pissen im Wald

Wenn die Schamlippen sanft im Laub rascheln…

– penner vollgekotzt und geschissen

Den kenn‘ ich, der fährt mit mir morgens S-Bahn.

– puff land brandenburg

Ja, genau. Landlust ausleben.

– puff storkower

Der hat zu. Sorry. Aber den in der Langhansstraße gibt es noch.

– puffpreise 1939

Historiker bei der Recherche.

– roter mädchenpo maccht mich froh

Und froh zu sein bedarf es wenig.

– Scheiße im Schuh

Die Köter lassen auch nichts aus.

– Schwaben töten

… lehne ich ab.

– sie haben keine eier mehr

Fuck.

– stellenangebot als verkäuferin bei lidl in luckenwalde

Muss das denn sein?

– tai tee schrei bei ficken t bb r

Alter, Poppers ist nicht ohne. Vor allem langzeitmäßig. Nimm weniger davon.

– ungarische gören beim pissen

Och nee. Slowakische Gören pissen besser, die kriegen einen schönen Bogen hin.

– was kann ich tun wenn mein nachbar die restmülltonne mit seinem müll zumüllt

Haha. Du kriegst mich nie, Alter. Nie.

6. Mein Lieblingstext

Der Tag, an dem meine Hirnzellen starben

Meine gute alte 104.6 RTL-Azubi auf Arbeit mit ihrem Scheiß Radio. Ich ertrage diesen Sender nicht ohne dass Gewaltphantasien Bahn brechen. Sorry.

So. Das reicht als Nabelschau. Nochmal danke fürs Lesen, Verlinken und fürs Gutfinden. Und fürs Haten natürlich auch.

Screenshot aus Dead Birds – mein erstes Avatarbild bei Qype. Wurde sehr oft als anstößig gemeldet und ich musste es löschen. Versteh‘ ich gar nicht. Ist doch süß.