Danke, Achim

Das ist Achim. Achim Achilles. Eigentlich Hajo Schumacher und Journalist. Aber egal, für mich ist er Achim.

Achim ist schuld, dass ich vor einigen Jahren angefangen habe zu laufen und nicht mehr aufhören kann. Und ich wollte deswegen immer schon mal einen ganz furchtbar schleimigen Blogpost schreiben und einfach mal danke sagen.

Es ist lange her. Es war die Zeit, als Spiegel Online noch nicht völlig zu einem Boulevardmedium verkommen war und ich dort noch regelmäßig gelesen habe. Es war die Zeit, in der ich langsam fett wurde von Bürostühlen, Currywürsten, Dönern, Alkohol, Kippen, Junk und auf der Couch lag wie ein verendeter Wal am Strand, dem die Möwen in den geplatzten Gedärmen herumpicken.

Achim schreibt bei Spiegel Online Kolumnen über das Laufen: Amüsant, kurzweilig, informativ. Immer im Wechsel zwischen Anekdoten aus seinem manchmal nicht so ganz erfolgreichen Läuferleben und wichtigen Tipps für Anfänger und Professionelle. Achim ist keiner dieser furchtbar professionellen Laufzombies, die sich für unsterblich und vor allem für Gottes Geschenk an die Sportwelt halten, sondern ein ganz normaler Kerl, der säuft, der flucht und der gegen den ewigen Schweinehund kämpft. Einer wie ich eben.

Und so habe ich immer mal wieder reingelesen in eine Welt, die gar nicht meine war. Sport? Ich? Never. Ich kann nur Fußball, aber seit sich meine Kneipenmannschaft aufgrund von Knie-, Rücken- und Alkoholproblemen und dem ewigen letzten Platz in der untersten Berliner Freizeitliga aufgelöst hat, ist die Kondition flöten. Laufen? Langweilig. Kacke. Voll öde und nur was für Streber und CDU-Wähler. Volksgesundheit, Ertüchtigung, Bundesjugendspiele und so ein Scheißdreck. Kraft durch Freude. Bäh.

Doch seine Kolumnen haben mich offenbar unterschwellig motiviert. Stetiger Tropfen. Stein. Und so. Irgendwann habe ich es nicht mehr auf der Couch ausgehalten. Ich wollte wissen, ob ich es bringe, ob ich diesen fetten nassen Säufersack von Körper irgendwie trainiert bekomme. Ich habe mir Laufschuhe gekauft, eine vernünftige Laufhose, einen iPod mit Hassmusik drauf und bin losgelaufen.

Der erste Lauf endete nach 400 Metern auf einem Feldweg in Blankenburg an einem Baum, gegen den ich gekotzt habe. Alle Zigaretten, jeden einzelnen Whisky, jeden verdammten Joint habe ich aus dem Hals gewürgt. Es hat sich angefühlt als würde sich gleich ein Stück schwarze Lunge vom Körper lösen und gegen den Baumstamm schmaddern. Es war jämmerlich. Zum sofort wieder aufhören. Eine schwitzende, knallrote und unendlich tragische Figur von Unsportlichkeit lehnte da an einem Baum und wollte sterben. Nach 400 Metern.

Der zweite Lauf war nicht besser. 600 Meter. Aber mit zwei Pausen. Ohne Kotzen. Dafür mit Seitenstechen.

Dann irgendwann 800. Dann 1000. Dann die 1000 ohne Pause. Zwei Monate hat das bis dahin gebraucht. Eine ekelhafte Zeit. Ich wollte jeden Tag aufhören.

Irgendwann brach der Damm und der Rest ging schnell: Der erste 10 Kilometer-Volkslauf irgendwo im Grunewald. Dann der Drittelmarathon in Potsdam.

Doch machen wir uns nichts vor: Der Anfang des Läuferlebens ist die Hölle und die höhere Lebensqualität durch ein besseres Körpergefühl stellt sich erst nach vielen Monaten ein. Vielen sehr langen Monaten.

Ich habe immer wieder bei Achim reingeschaut, wie ich mich verbessern kann und ob das irgendwie schneller geht. Doch die Lösung ist ganz einfach: Es hilft nur Geduld. Und Beharrlichkeit. Von beidem viel.

Heute laufe ich Halbmarathon und sage Danke, Achim. Ich habe mir den ganzen Dreck aus dem Körper gelaufen (aber ich schütte ständig welchen nach, der Kreislauf muss ja erhalten bleiben).

Für mich war es eine gute Entscheidung. Das Laufen hat mich aus einem Loch geholt.

Wer anfangen möchte mit Laufen, dem empfehle ich das Portal von Achim Achilles. Laufroutenplaner, Lauftermine, Tipps, Tricks, Medizinisches, Amüsantes, alles da.

Also, nochmal: Danke, Achim.


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