Der Parknazi

Parkplatzsuche im Kackloch von Prenzlauer Berg. Nordwesten. Arschecke. Ungentrifiziert. Bröckelnde Fassaden. Keine Bioläden. Massenhaft Kotwürste wohin man auch tritt. Missmut tropft von den Fassaden. Sackgasse. Ich parke längs entgegen der Fahrtrichtung, steige aus und gehe was checken.Zurück am Auto steht da ein Opa mit Beate-Zschäpe-Gesicht: „Sie dürfen so nicht parken.“

„Weiß ich. Ist mir aber egal.“

„Ich habe mir ihr Kennzeichen notiert.“

„Natürlich haben Sie das.“

„Sie bekommen dann Post.“

„Super. Ich mag Post.“

Manche Dinge glaubt man nur, wenn man sie selber erlebt. Den Klischee-Parksünder-Aufschreiber-Opa zum Beispiel, den gibt es echt. Er lebt. In Prenzlauer Berg. Nordwesten. Arschecke. Und er will, dass ich mich winde, vor ihm krieche und ihn bitte, dass er mich nicht bei der Polizei denunziert. Und gelobe, dass ich es nie wieder tue, ich, ein Parkdelinquent, den er erziehen muss.

Ein Kleingeist. Einer von vielen Kleingeistern, die davon zehren, ihren Mitmenschen mit ihrem analfixierten Regelfetischismus das Leben schwer zu machen. Man bekämpft sie am effektivsten, wenn man sie einfach stehenlässt. Erniedrigt man sich und geht auf ihr Spielchen ein, gibt man ihnen Macht, bestärkt sie.

„Tschü-hüss.“ sage ich zuletzt, winke und fahre weg. Weg von den Kotwürsten. Und dieser verdammten Kotwurst auf zwei Beinen.

Gekommen ist nichts. Kein Strafbefehl. Keine Anhörung. Nix.

Natürlich nicht. Er war zu langsam. Oder die Polizei war zu langsam. Oder sie hatte erst gar keinen Bock. Für so einen Scheiß. Fall tot um, Parknazi-Opa. Hier ist eben doch Berlin. Bis zu einer gewissen Eskalationsstufe Anarchie – von der Polizei geduldet.

Doch Gott bewahre, wenn die jungen zugezogenen Mülltrennungsblockwarte Prenzlauer Bergs irgendwann ins Rentenalter kommen, sich noch mehr langweilen als jetzt schon und bestückt mit iPhones die Falschparker an die Polizei melden. Und der Hausverwaltung petzen, wenn man die inzwischen eingeführte Kehrwoche vergessen hat. Oder immer noch keinen Müll trennt.

Wenn es soweit ist, bin ich hoffentlich schon lange tot.

Fundstück von einem Aufenthalt in Süddeutschland – so etwas macht Angst, wenn man in einem Bezirk wohnt, in den Menschen von da mit Vorliebe einwandern.

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