The great goldrush of Kieser-Training

Es kann ja mal sein, dass einem in der Umkleide bei Kieser-Training auffällt, dass man kein Handtuch dabei hat. Das passiert meistens dann, wenn man es nach Jahren endlich mal wieder waschen musste, weil es vor lauter Essenzen aus der Kieser-Bibel (Blut, Schweiß, Tränen, Kotze, Harn aus dem Katheder) stocksteif gesifft war oder auch nur, weil ein durchgeknallter Schweißfetischist es in der S-Bahn aus der Tasche geklaut hat.

Früher hat man in so einem Fall bei Kieser ein Ersatzhandtuch ausgeliehen bekommen. Nur ausnahmsweise. Immer nur ausnahmsweise. Kein Problem.

Doch früher ist früher und heute ist kein Platz mehr für wärmende Gesten für Menschen in Not:

„Guten Tag, ich habe leider mein Handtuch vergessen. Können Sie mir mal wieder eines borgen?“

„Das können wir leider nicht mehr machen. Aber Sie können eines kaufen.“

„Was soll das denn kosten?“

„9,95.“

„Aha, und was kann es? Massiert es mir den Rücken und serviert mir danach ein kaltes Bier?“

„Haha, nein, aber es ist aus Fleece.“

„Toll. Kann ich es einmal sehen?“

„Ja, gerne.“

„Das ist doch ein Putzlappen, Sie nehmen mich auf den Arm. Was ist denn aus den alten flauschigen Handtüchern geworden?“

„Die gibt es leider nicht mehr.“

„Au mann, es geht wirklich alles den Bach runter. Kann ich es mal ausprobieren bevor ich es kaufe?“

„Das geht leider nicht, Sie müssen es kaufen.“

„Jetzt gleich?“

„Jetzt gleich, ja.“

„Das ist wirklich ein außerordentlich hässliches Stück von Handtuch. Sagen Sie: Wenn ich ohne Handtuch trainiere, schauen Sie dann weg?“

„Nein, Sie dürfen nicht ohne Handtuch trainieren. Der Hygiene wegen.“

„Ich muss dieses Ding also heute kaufen, es sei denn, ich spüle eine Stunde meines Lebens sinnlos in den Orkus, indem ich nach Hause laufe und mir ein eigenes Handtuch hole?“

„Ja.“

„Ich hasse die Welt. Aber ich nehme es – unter ausdrücklichem Protest.“

„9,95 bitte.“

Und wieder gemolken. Scheiß Kapitalismus. Voll die Verarsche. Er bildet nur dumme Privatmonopole, in denen er arme Säue ausquetscht, die sich nicht wehren können. In einem perfekten Markt würden draußen vor dem Eingang fünf Handtuchhändler stehen, die sich alle ein Bein ausreißen würden, um mir ein möglichst billiges, dabei aber gutes Handtuch verkaufen zu können.

So läuft es aber nicht, denn stattdessen bin ich gezwungen, für viel Geld ein hässliches graues Stück Schmierlappen zu kaufen, das kratzt, unhandlich ist und nicht einen Tropfen Schweiß aufsaugt. Kapitalismus ist ein Arschloch. Ich habe es wieder einmal bewiesen.


The Kieser Tales:

The old fart of Kieser-Training
The Unholy Sprallo of Kieser-Training (feat. The Desperate Drängelrentner)
The Incredible Jungdynamiker of Kieser-Training