Gingi´s Izakaya

Aus der Gegend um den Kollwitzplatz habe ich mich ja schon vor vielen Jahren freiwillig rausgentrifiziert. Ich habe hier nichts mehr verloren. Außer ab und zu. Denn hier kann man gelegentlich wirklich gut essen. Nicht günstig. Aber gut. Normalerweise.

Gingi’s Izakaya wird hochgelobt, von TIP bis Yelp: Ein türkischstämmiger Koch, der in Japan den Sushimeister gemacht und sich nun in Prenzlauer Berg niedergelassen hat, origineller geht kaum. Er fertigt, so schreibt man, japanische Tapas auf Sterneküchenniveau, nur ohne Sterne – das klingt spannend und bringt mich sogar dazu, wieder einmal in diese blankgeleckte Legolandhölle von Schnöselparadies im Zentrum von Prenzlauer Berg zu gehen.

Ich habe Glück. Es ist alles reserviert und doch frei, denn ich habe nicht reserviert und darf mich dennoch setzen.

Es folgen acht Gänge. Ich habe die obligatorischen sechs Gänge vom Menu auf der Karte mit zwei Hauptgerichten ergänzt, denn bei Sterneküche ist es mir stets zu wenig. Diese Gänge sind für sich gesehen zum großen Teil in Ordnung, können aber nicht das halten, was ich mir von diesem Ort versprochen habe. Sterneküche? Nein. Bestimmt nicht.

Das ist das Problem, wenn man mit zu großen Erwartungen anreist. Man erwartet kleine Zaubereien, witzige Kompositionen, optische Installationen, einen Gruß aus der Küche und natürlich, dass der Gottvater aus der Küche persönlich an den Tisch schwebt, man kurz gemeinsam wichtig tut und er dann wieder verpufft. So ein echtes Schnöselritual in der gehobenen Gastronomie eben.

Doch hier komme ich schnell wieder auf den Boden zurück, denn wenn ich einen Salat mit Rauke und einigen Mangostücken nebst Garnelen in ein wenig unvermeidlicher Balsamicocreme vor mir stehen habe, dann ist das nicht originell. Das kann ich im Zweifel auch zuhause herstellen. Anderes hier ist besser: Der Lachs und die großartige Sushirolle. Ärgerlich ist der Seeteufel, er ist zu lange gegart und mutiert ins Gummiartige.

Einen Gruß aus der Küche gibt es angesichts der acht Gänge auch nicht. Und der Meister ist so sehr mit zwei Blondinen beschäftigt, dass er es in fast drei Stunden leider nicht an meinen Tisch schafft, um einen Guten Abend zu wünschen. Schade. Für den Preis wirklich schade.

Im Gesamten ist der Auftritt durchwachsen. Man gibt sich schnöselig, ohne dies konsequent mit Küche und Ambiente zu untermauern. Satt bin ich geworden, entgegen der Ankündigungen in den einschlägigen Bewertungsportalen. Aber satt werde ich auch woanders. Und das günstiger.

Gingi´s Izakaya
Rykestraße 45
Prenzlauer Berg

 

 

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