Lass mal netzwerken – der besondere Link vom 11.10.13

Ich bin geistig krank. Buff. Das muss erstmal sacken.

Geistig krank nennen die Zeugen Jehovas jene, die sich von ihnen lossagen. Hier schreibt also einer über sein Leben bei den Zeugen, wie er als einer von ihnen aufgewachsen ist, wie er seine Jugend mit den Zeugen verbracht hat und wie seine Familie ihn als Zeugen erzogen hat.

Oder erziehen wollte. Denn er ist ausgestiegen, als er konnte, und schreibt jetzt in einem buchwürdigen Stil über diese Zeit.

Man bekommt als Außenstehender einen direkten persönlich gehaltenen Einblick in eine geschlossene Organisation mit einem geschlossenen Weltbild und plötzlich wird klar, dass die eigene beschissene Jugend noch viel beschissener hätte werden können.

Besonders nachdenklich machen mich die geschilderten Rituale, die eingeschliffenen, eingefügt in das geschlossene Weltbild, das keine anderen Denkmuster zulässt und sich stets streng von demjenigen abgrenzt, der anders denkt. Wir finden ihn in allen Religionen und Ideologien, diesen Drang zur Geschlossenheit, das Bestrafen der Abweichler, die gebetsmühlenartigen Routinen, das Auswendiglernen von Lehrsätzen und natürlich das Diffamieren derer, die einen anderen Weg gehen.

Ich habe die Texte verschlungen. Sie sind sehr flüssig, sehr angenehm geschrieben und aufgrund ihrer sehr persönlichen Sichtweise unheimlich berührend.

So ein Blog muss irgendwann enden, weil er auserzählt ist. So lange ziehe ich den Hut vor dem Mut, sich gegen den Willen seiner Familie zu stellen und uns an der eigenen Geschichte teilhaben zu lassen.

 


 

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