Humannkiez: Pendlerbashing ./. Autoschwemme

Endlich seid ihr weg. Ihr Pendler. Alles zuparkende Pendler. Weg. So viele Parkplätze gab es noch nie.

Das ist das Ergebnis von einem halben Jahr Parkraumbewirtschaftung bei Kumpels oben im Humannkiez. Es gibt plötzlich Parkplätze. Und für die Anwohner Anwohnerausweise. So ein Bild bot sich noch nie hier. Parkplätze. Massenhaft. Fast wie ein Irrtum stehen vereinzelt ein paar versprengte Fahrzeuge herum, darunter meines.

Pendler. Die Pest. Sie gurken so weit nach Berlin rein wie es kostenlos geht, erst dann setzen sie sich in die Bahn und fahren weiter – sofern sie nicht gleich hier arbeiten.

Ja, Pendler sind die Pest, aber sie sind gar nicht schuld. Ich würde es auch nicht anders machen, wenn ich einer von ihnen wäre. Denn sie sind nur das Symptom des Problems einer Stadt, in der der öffentliche Nahverkehr nicht attraktiv genug ist und sich Pendeln tatsächlich lohnt. Der einzige Effekt dieser Parkraumbewirtschaftungszone ist, dass jetzt Pankow die Pendlerpest auf dem Hals hat. Jetzt sind Thule- und Vinetakiez bis an die Wisbyer heran zugeparkt bis in die letzte Einfahrt. Die armen Anwohner.

Und so verlagert sich das Problem seit Jahren immer nur und schiebt die Pendlerschwemme wie der Schneepflug einen Schneehaufen immer weiter nach Norden. Natürlich findet der Bezirk das gut, denn das sorgt ganz nebenbei für Extraeinnahmen in der Bezirkskasse, denn die Anwohner müssen ihre Ausweise natürlich bezahlen und die Gelegenheitsparker bezahlen nach Bedarf.

Angefangen hat es, meine ich, im Kollwitzkiez und jetzt dürfte bis auf den unattraktiven Plattenbau-Osten hinter der Greifswalder der komplette Bezirk bewirtschaftet sein. Eine Lösung des Pendlerproblems ist das indes nicht. Die haben jetzt die Bewohner vom Thulekiez auf dem Hals.

Das löst aber das Problem nicht, sondern verlagert es immer weiter in die Kieze, die noch keine Bewirtschaftung haben, also bleibt nur die Alternative, irgendwann entweder die ganze Stadt bis hoch nach Französisch-Buchholz zu bewirtschaften oder endlich einen Nahverkehr zu schaffen, der eine Alternative zum Auto ist: Dichtere Takte, mehr Fahrzeuge, mehr Personal, Ausbau der Straßenbahn, eine U-Bahn die Greifswalder hoch nach Weißensee, Rekommunalisierung der S-Bahn, Fahrverbot innerhalb des S-Bahn-Rings (außer für Anwohner und Anlieferung) und Ausweisung eines breiten Fahrstreifens auf der Fahrbahn für Fahrräder, dann verpissen die sich vielleicht endlich von den Bürgersteigen, auf denen mein Kind in ihre Speichen läuft.

Und der ganze runderneuerte massive ausgebaute Nahverkehr ist dann bitte kostenlos und gegenfinanziert durch eine deutliche Erhöhung der Kfz-Steuer nach Verbrauch. Wer in der Stadt Cayenne oder überhaupt Van fährt, der kann das leisten.

Geht nicht? Natürlich nicht. Hier geht nichts, was eine Alternative ist. Nur die Ausweisung immer neuer Bewirtschaftungszonen, die immer zu Lasten derer geht, die sie noch nicht haben – die geht immer. Hauptsache, nie den Autoverkehr einschränken.

Warum eigentlich nicht?

 

 

img_20190116_2128194830293245704306769.jpg