Lustgewinn durch Schuhe – Men’s Edition

Ich habe neue Chucks gekauft. In schwarz.

Chucks zu kaufen setzt bei mir Endorphine frei wie bei meiner Exfreundin, wenn sie fünf Stunden bei Pimkie verbringt. Oder bei Orsay. Xanaka. Mango. Mungo. Bungo. Bongo. Chisibubikaio. Hyakutake.

Blutsgeschwister. Das stand auf dem Laden, in dem ich die Dinger gekauft habe. Was für ein bescheuerter Name, ich muss an Winnetou denken. Old Shatterhand. Blutsbrüder. Hugh.

Aber es geht in Prenzlauer Berg sowieso nicht mehr ohne dumme Namen. Vier Haareszeiten. Who killed Bambi. Vokuhila. Haarlekin. Prenzlkebab. Leckerback. Haart an der Grenze. Es sind oft Friseure oder Klamottenläden, die versuchen, so zu klingen, als seien sie cool. Sind sie aber nicht. Sie sind einfach nur Friseure und Klamottenläden.

Die schwarzen Chucks kombiniere ich natürlich zum Anzug im Büro. Das nennt sich dann Rebellion. Und ich bin ein auf jeden Fall unangepasster Geist. In einem Borgwürfel voller Pinguine. Die Chucks machen dabei einen auf Robert de Niro in Taxi Driver und raunen: „Hört zu, ihr Wichser, ihr Scheißköpfe. Hier ist ein Mann, der sich nicht alles gefallen lässt, der nicht mehr geduldig alles einsteckt. Hier ist jemand, der sich wehrt.“

Und aus der iPod-Dockingstation neben dem Bürocomputer läuft Sepultura. Refuse! Resist! Aber nur halblaut. So dass man auf dem Flur nur leises Rauschen hört. Man will ja nicht zu viel Aufsehen erregen.

Doch eine der Bürotratschtanten läuft mit Bild-Zeitung unterm Arm vorbei: „Na? Hörst du wieder deine Todesmusik?“

Wenn das nicht Rebellion ist. Mehr geht ja wohl wirklich nicht…


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