Untergrundbackwaren

Sie werden immer besser, die U-Bahnhofbäcker. Ich finde das auf die eine Art schade, aber auf die andere Art auch gut. Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner …

… jaja is gut, lass den scheiß Faust stecken. Gehört inzwischen in die Rubrik „Wikipedia-Zitate für geistig Arme“.

Ein Aufbäcker also. Backbaron, Backbär, Backdödel oder so. Irgendeinen Backnamen haben sie immer. U-Bahnhof Wilmersdorfer. Unter der einzigen Fußgängerzone der Hauptstadt. Und das Baguette hat jetzt eine Kruste, es schmeckt nicht mehr nach nichts und auch die anderen Dinge krusten jetzt, werden besser, gehaltvoller, wenn sie auch mit ihren gelieferten Teiglingen immer noch nicht an das Erlebnis eines echten Handwerksbäckers herankommen, also jene, von denen es nicht mehr viele gibt, jene, die von diesen schnellen Butzen auf dem U-Bahnhof verdrängt werden, weil das so bequem ist, mal eben schnell was mitzunehmen auf dem Weg zur U-Bahn, und weil sie ja tatsächlich geschmacklich besser werden, die Retortenschrippen, die Baguettes, die Pariser Croissants, weich, fluffig, fettig, dass mir die Papiertüte durchsuppt.

Nur eines werde ich nie verstehen: An solchen Schnellback-Orten regiert die Hektik. Immer. Auch wenn es 10 Uhr ist und ich der einzige Kunde bin. Es herrscht eine Hektik, als stünde hier mit mir halb Mumbai in der Schlange wie bei der Post. Is aber nicht. Bin nur ich.

Haben wahrscheinlich immer den Tick-Tack-Timer des Aufbackofens im Nacken, der mal wieder ein paar knackige Brezeln oder ein paar frische Croissants fertig hat. Da bleibt eben für ein Lächeln keine Zeit mehr und mein Wunsch nach einem schönen Tag von mir für mein Gegenüber bleibt unbeantwortet. Macht aber nix, ist ja auch kein Ponyhof hier, diese Stadt. Und der U-Bahnhof schon gar nicht. Ich kann ja auch ohne. Schönen Tag noch.

 

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