Der Doppelficker-Auspuff und der fahrende Fön

Lange nicht mehr positioniert. Zwei Tage schon nicht. Oder drei. Wird Zeit. Tempo 130 auf Autobahnen. Oder besser noch 120. Da bin ich für.

Besonders krass fällt der Unterschied ins Auge, wenn man entspannt aus dem Ausland kommend auf eine deutsche Autobahn gerät. Es herrscht Nahkampf auf der linken Spur. PS-Terror. Wer nicht genügt, der wird rausgeblinkt, weggelichthupt – eine Aggression wie sonst nur auf Berlins Bürgersteigen, wenn die Radfahrer ihr persönliches Sechstagerennen unter den Augen verängstigter Kleinkinder abhalten.

Und geben wir es doch einfach zu: Es sind meist Männer. Ach was, eigentlich sind es immer Männer, die da mit verzerrter Miene hinter dem Lenkrad verkeilt eingebunkert bei 190 km/h auf zwei Meter auffahren, gerne schon auf 500 Meter Entfernung die Lichthupe auf- und abblenden und dauer-links-blinken als gäbe es kein Morgen.Das ist wieder so ein Penisding. Platz da. Ich muss die anderen wegficken. Das ist mein Revier. Und räumt man nicht schnell genug das Feld, kommt das Arsenal des Überholspurfaschisten: Hupe, Mittelfinger, Hin- und Herschwenken auf der Fahrbahn und natürlich das unvermeidliche Straf-Abbremsen nach dem Überholen.

Deutschland. Autobahn. Psychopathentreff. Alle anderen Länder haben diese pathologische Spielwiese darwinistischer Arschgeigen schon längst ausgetrocknet.
Wie schön ist das in Frankreich: Tempo 130. Alles fließt. 190 geht hier nicht, sonst Pappe weg. Wie entspannt hier alle sind, selbst die deutschen PS-Psychos, wenn sie hier fahren müssen. Easy. Locker. Flockig. Tempomat einschalten. Chill Chill. Kein panisches Rüberziehen auf die Mittelspur, wenn der Cayenne des Todes im Rückspiegel erscheint, denn der darf auch nicht schneller fahren als mein Dacia. Fraternité, tout le monde, egal wie lang der Penis fett die Karre ist. Da macht Autofahren fast schon wieder Spaß.
Umso schwerer ist dann die Umgewöhnung, wenn man nach Mulhouse viel zu schnell wieder deutschen Boden befahren muss: Sofort sind sie wieder da, die Stoßstangenficker, die Gestikulierer, mit ihren feisten roten Köpfen, die hinter ihrem Sportlenkrad ihre persönliche Vendetta gegen meinen fahrenden Fön ausfechten.
Von mir aus können sie sofort ein Tempolimit beschließen, die Nichts-Entscheider im Reichstag, aber das trauen sie sich wieder nicht, weil dann der Deutsche sofort an die Decke fährt und die Bild-Zeitung schäumt. Es könnte ja ausnahmsweise mal entspannt werden in diesem Land, ohne Nahkampf, ohne Protzen, ohne Plattmachen, ohne dieses ständige Abbremsen-Gas geben-Aufblenden-Abbremsen-Gas geben-Spurwechsel-Abbremsen-Aufblenden-Links rüberziehen-Abbremsen-Gas geben-Abbremsen-In den Arsch reinfahren.
Aber Entspannung mag der Deutsche nicht. Dann wäre ja die Protzkarre mit dem 300er-Penisersatz-Tacho und dem Doppelficker-Auspuff sinnlos. Und da wär’s ja schade drum. Was sollen die Nachbarn denken?
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