Serviceoffensive in der Servicewüste

„Guten Tag, kann ich Ihnen helfen?“ Waaaaaah!!!!? Er spricht, der orange Mann! Und lächelt mich an? Was ist da los? Ich bin bei Obi, dem bizarren Baumarkt, hier wird nicht gelächelt und schon gar nicht angesprochen, hier wird weggerannt, zwischen die Regale, sobald ein Kunde aussieht, als könne er dazu ansetzen, eine Frage zu stellen.

Das ist nicht mehr mein Obi. Wo sind die verwaisten Infotresen? Wo die ganzen Fliehenden? Die panischen Wegrenner? Die können mir doch nicht plötzlich einfach nur helfen wollen? Was hat man mit den alten Obi-Mitarbeitern gemacht? Durch Androiden ersetzt? Mit Sprechautomaten auf zwei Beinen, die mir jetzt helfen wollen? Helfen! Und das in meinem Obi! An dem Ort, an dem ich seit Jahrzehnten hilflos durch die Gänge treibe, nichts finde und nie verstehe, was der Unterschied zwischen einem Pinsel für 1,99 und einem für 20,99 ist.

Hat sie endlich durchgeschlagen, die Marktwirtschaft? Macht Hornbach weiter Boden gut? War ich einer der wenigen letzten Kunden, die sich demütigen ließen und ihre Frage hinter gehetzten Obi-Mitarbeitern herhechelten, um dann doch wieder ignoriert zu werden?

Ist es also soweit. Jetzt muss sogar Obi so etwas Irres wie Service einführen. Was kommt als nächstes? Werde ich im Bezirksamt Pankow bereits nach fünf Minuten drankommen und abgefertigt anstatt für Stunden zwischen fünf Sachverwesern hin und hergeschickt zu werden? Bekommt die kaputtgesparte S-Bahn ihren Wagenpark in den Griff und hört auf, mich mit wildfremden schwitzenden Menschen in ihren Sardinenbüchsen zusammenzuquetschen?

„Guten Tag, kann ich Ihnen helfen?“ fragt er und lächelt. Nein, das ist nicht mehr mein Obi.

 

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