Nein, ich will gar kein Buch schreiben

Du musst ein Buch schreiben, bekomme ich ab und zu gesagt – in letzter Zeit wieder öfter. Alle Blogger schreiben Bücher. Einen Roman. Oder einfach nur die alten Blogtexte zwischen Buchdeckeln. Ein Best Of. Für Geld. Ich soll das auch tun.

Nee.

Ich will nicht.

Die liebe Nessy hat mal geschrieben, dass es einen Unterschied gibt zwischen Bloggen und Buch schreiben:

Bloggen ist der Sprint des Schreibens, kraftvoll, schnell, mit hoher Dynamik. Das Buch ist der Langstreckenlauf. Man kann einen Sprinter nun 100 Spurts hintereinander machen lassen – dadurch wird es aber kein guter Langstreckenlauf. Im Gegenteil: Der Läufer wird schon nach einem Viertel der Strecke versagen und das Publikum wird sich voller Fremdscham abwenden.

Word!

Buch schreiben ist Marathon. Bloggen der Sprint. Ein Sprinter muss nicht unbedingt ein guter Marathonläufer sein. Da hat sie recht. Ganz abgesehen davon, dass ich das, was ich hier schreibe, gar nicht für buchwürdig, geschweige denn überhaupt für gute Literatur halte: Ich bin kein guter Marathonläufer. Ich bin maximal ein halbguter Sprinter, der mit Mühe einen Halbmarathon schafft und danach in die Büsche kotzt. Es würde nicht gut werden. Ich würde nicht dahinter stehen.

Und jetzt kommt etwas, das sehr gut geeignet ist, in falschen Hälsen zu landen: Ich will euer Geld gar nicht haben. Ich bin in der für diese Stadt seltenen Situation, einen Job zu haben, von dem ich tatsächlich leben kann. Das reicht mir.

Deshalb gibt es hier keinen Flattr-Button und auch keine Kontonummer, kein Paypal, keine Sofortüberweisung, keine Werbebanner, keine zwielichtigen Googleanzeigen und auch keinen Amazon-Partnerlink. Und schon gar kein Buch mit gesammelten Blogtexten – aufgewärmt und von gestern.

Aber Flattr kann man doch nutzen, um die Beliebtheit der Texte zu messen, um zu sehen, was geht und welcher Text den Lesern was wert ist, höre ich immer, wenn es um dieses Mikrobezahlsystem geht. Ja, sicher, wer sagt, dass er Flattr nur wegen des Leserfeedbacks auf der Seite hat, der geht auch ins Big Brother-Haus wegen der tollen Erfahrung und nicht wegen des Geldes. Was soll das denn? Natürlich geht es bei Flattr um Geld. Es fließt ja auch welches. Meines zum Beispiel.
Flattr als Feedback? Eher nein. Feedback bekommt man aus den Statistiken von Google Analytics, den Verweisen von anderen Blogs, den Zugriffen von Facebook respektive Google+ und vor allem von den Kommentaren unter einem Text. Hat ein Text keine Kommentare und will ihn keiner bei Facebook posten, dann war er entweder so geil, dass er alle umgehauen hat und sich die Leser noch Wochen später paralysiert von seiner Wucht erholen müssen (eher nicht) oder er war einfach scheiße. Oder auch nur so fad, dass keinem was dazu einfällt.

Vorausgesetzt natürlich, ein Blog hat überhaupt Leser, die potenziell etwas schreiben könnten.

Also kein Buch? Nicht mal aus Eitelkeit? Nein, nicht mal aus Eitelkeit. Ich habe eine Menge schlechter Eigenschaften, Eitelkeit ist zum Glück keine davon. Ich schreibe, weil es mir Freude macht und mich davor bewahrt, verrückt zu werden. Ich kann das, was in mir wuchert, keimt und gärt, in einer Art eruptivem Ausbruch niederschreiben und es gibt sogar ein paar Leute, die das gerne lesen. Das ist doch schön. Mehr muss nicht.

Irgendein Blogger hat Bloggen mal als eine Art Selbsttherapie bezeichnet. Da hat er Recht. Das ist so.

Also macht was Schönes mit eurem Geld. Spendiert einem Obdachlosen einen Schein anstatt immer nur den ewigen Kupfermünzen oder helft einem kleinen Mädchen aus Priština weiterzuleben – die Karmapunkte dafür bringen euch über die Woche. Der Blog hier kostet nix. Wer unbedingt ein Buch haben will, der kann sich meinetwegen alle Seiten ausdrucken und binden lassen. Für ein Glas guten Whisky unterschreib‘ ich auch ganz vorne für Tante Luise oder Oma Erna, wenn das gewünscht ist.

Aber ich freue mich über Kommentare, auch wenn ich nur selten einen davon beantworte. Die meisten Kommentare sind so treffend, dass ich nichts dazu zu sagen habe. Und immer nur „Dufte!“ oder „Supi!“ unter jeden Kommentar zu setzen, damit das dokumentiert, dass ich ihn gelesen habe, ist auch irgendwie fad. Ich lese alle Kommentare, auch die der Hater. Promise.

Daher an dieser Stelle nur ein Danke fürs Lesen.

Und jetzt pack den Nabel ein und blogge endlich weiter, Blogger…


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