Der Scheißhausphobiker

Irgendwo in Malochistan im Dunstkreis von meinem Betriebsscheißhaus arbeitet ein Phobiker. Der mag Toilettenschüsseln nicht. Wenn alle Pullerbecken an der Wand besetzt sind, dann kann er nicht in die Kabine gehen, weil er sich dann hinsetzen müsste, was er offenbar nicht will. Und im Stehen in das Kabinenbecken zu pullern, will er offenbar auch nicht, wahrscheinlich des Lärms wegen. Es ist ein Zwangsneurotiker, ich bin mir sicher. Der hat mit Kloschüsseln außerhalb seiner eigenen vier Wände ein Ding laufen.

Aber weil Zwangsneurosen langweilig sind, wenn man nicht andere damit nerven kann, steht er hinter mir und wartet darauf, dass ich am Pullerbecken fertig werde. Seine Anwesenheit ist greifbar und erzeugt Druck. Ich merke, dass der da direkt hinter mir steht. Einmal meinte ich, seinen Atem spüren zu können. Sicher nur Einbildung. Oder?

Kürzlich drehte ich mich einfach mal um: „Geht es Ihnen gut? Kann ich Ihnen helfen?“ „Nein, ich, äh, warte nur…“

Das muss ihn getroffen haben. Heute stand er wieder im Raum und alle Pullerbecken waren belegt. Er verschwand in einer Kabine und rief ein paar Sekunden später über die Kabinenwand „Sind Sie soweit?“

Nee, war ich nicht. Dauert manchmal. Kanne Tee und so.

Was fehlt dem? Das Nerve-Menschen-nicht-beim-Pullern-Gen? Was macht der, wenn er mal auf Arbeit kacken muss? Hat der einen Putzeimer unter seinem Schreibtisch oder hält der aus, bis ihm der Kot aus den Ohren tropft?

Oder er hat einfach einen Champagnerkorken im Arsch. Oder einen Analplug. Ach, ich weiß es doch auch nicht.

Hier ist ein Irrenhaus. Erträglich, wenn nur die Menschen nicht wären.

 

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