Kinder auf dem Wahlkampfstrich

via Was weg muss 

Sie werben mit Kindern für die Bundestagswahl, sie werben immer mit Kindern, Kindern gehen immer. Wie Hundewelpen, die gehen auch immer.

Was sind das eigentlich für Eltern, die es zulassen, dass ihr Kind für eine zwielichtige Berufsgruppe auf dem Wahlkampfstrich präsentiert wird? Und das manchmal sogar ausgerechnet für welche, die einen astreinen Pädophilenskandal an der Backe haben, der kurioserweise quer durch die Bank verharmlost oder gleich ganz totgeschwiegen wird.

Wahrscheinlich sind es die gleichen Eltern, die es zulassen, dass ihre Kinder bei Otto im Wäschekatalog für Kinderunterhosen, für eine Baumarktkette im Planschbecken oder mit riesigen traurigen Kulleraugen für die katholische Caritas posieren.

Diese Vereinnahmung wird ein Kind nie wieder los, auch wenn es sich als Erwachsener gar nicht mit dem beworbenen Produkt identifizieren können wird. Das ist wie ein besoffenes Partybild auf Facebook, auf dem man sich selber vollgekotzt hat, mit Edding angemalt wurde und einem jemand brennende Wunderkerzen in die Ohren gesteckt hat. Das postet jemand, der auf der Party war, auf seine Pinnwand und von da macht es die Runde auf andere Pinnwände, in die Blogs, in die WhatsApp-Chats und in die Soup (nur Oma und Opa verschicken das noch per E-Mail wie in den 90ern diese furchtbar lustigen Powerpointpräsentationen).

Und die arme Sau auf dem Bild wird die Erinnerung an die Kotzparty nie wieder los – so wie der kleine Energieriese seine Erinnerung an den Wahlkampfstrich, auf den er zum Vorteil anderer geschickt wurde.

Ich finde den Zusammenhang zwischen Wahlplakat und Kotzparty gar nicht so hanebüchen wie er sich anhört: Jemand macht etwas Unappetitliches mit einem anderen, der sich in einem Zustand der Unmündigkeit/Unzurechnungsfähigkeit befindet und das dieser nie wieder los wird.

Klar, wenn das eigene Kind irgendwann als Erwachsener seine Reputation in eigener freier Entscheidung im Datenlokus Internet verbrennt, kann man nicht viel dagegen tun, aber so lange es möglich ist, sollten Eltern das verhüten und ihr Kind nicht schon mit fünf Jahren auf dieser unsäglichen Wahlkampfpappe posieren lassen.

Was ist denn zum Beispiel mit den Kindern dieser Fahrradfamilie, die sowohl FDP als auch NPD für ihre Wahlwerbespots eingekauft haben? Ich finde den Skandal nicht, dass NPD und FDP dieselbe Sequenz verwenden, das ist Zufall und völlig egal. Haben eben beide das gleiche Glückslos in der Bildergrabbelkiste gegriffen. So weit, so banal.

Nein, ich finde es viel schlimmer, dass da überhaupt Kinder für zwei schmuddelige Parteien durch das Bild fahren müssen, Kinder, die sich in 20 Jahren wahrscheinlich in Grund und Boden schämen werden, dass ihre Eltern sie damals für ein paar Kröten an Polit-Parias verkauft haben.

Halten wir also fest: Wahlwerbung ist sowieso per se unästhetisch. Durch den verstärkten Einsatz von Kindern wird sie jetzt auch noch unappetitlich dazu. Meine Glückwünsche.

 

 

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