Der ironische Che

Neulich im WhatsApp-Chat: Che Guevara meets Gewerkschaft der Polizei.

Ironisch wahrscheinlich.

Heutzutage ist sowieso alles ironisch. Sascha Lobo trägt einen ironischen Irokesenhaarschnitt, die Mitte-Hipster tragen ironische Tweedjacken, dazu der Ironie wegen Opas alte Budapester und kaufen sich teure ironische VHS-Kassetten für den ironischen Videorekorder, jede Verwaltungssadistin vom Bezirksamt Pankow ironisiert ihren fürchterlichen Job und macht ihre Bierflaschen ironisch mit dem Feuerzeug auf, Klaus Wowereit macht ironische Politik und keine Heute-Journal-Moderation kommt ohne ironischen Eröffnungssatz zum heutigen Prozesstag von Beate Zschäpe aus.Nichts ist mehr so gemeint wie es dargestellt wird, niemanden kann man mehr festnageln, jeder kann antäuschen, so tun als ob und wenn es zum Schwur kommt, dann ist alles nur ironisch. Nix passiert, haha, ist gar nicht so gemeint. Hahaha, reingefallen, Ironie! Haste wohl nicht gemerkt, was?

Man wird dieses Zeitalter mal das ironische nennen: Menschen wie Pudding, die für nichts mehr stehen, Politik, die für nichts mehr steht, durchironisierte Gameshows, Promidinner und Castingbootcamps mit ironischen Brummbär-Sprechern, die jede vorgestreckte Unterlippe eines Teenagers ironisch kommentieren, als wären sie nur belustigter Beobachter und nicht Teil des Spiels.

Vielleicht, aber nur vielleicht, sitzt irgendwo bei der Polizei aber auch wirklich ein Revolutionär. Seien wir realistisch, glauben wir das Unmögliche.

 

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