Der verkappte Romantiker von Meßmer

Voraussichtlich notwendiger Disclaimer: Das Weiße da ist kein Ejakulat, nur Handcreme 🙂

Der Praktikant durfte wieder einmal einen Packungstext schreiben. Vor mir liegt eine billige Packung grüner Tee von Meßmer. Der ist nicht gut. Der ist sogar richtig scheiße. Weil er schon ewig bei Rewe im Regal lag. Ich brauchte dringend Tee und Rewe hat sonst nur Beutelschrott. Und eine verlorene Packung losen Tee von Meßmer. Die wahrscheinlich damals mit den Hugenotten nach Berlin gekommen ist. Und davor mit Heinrich vor Canossa lag. Nachdem sie mit Paulus übers Mittelmeer kam.

Ein alter gammliger grottiger grüner Tee grinst mich aus der Packung an, vergilbt, angegraut wie Schokolade, die ein paar Jahre im Kühlschrank vergessen wurde.

Und der Praktikant fragt mich auf der Packung, was ich vor Augen habe, wenn ich an besondere Momente in meinem täglichen Leben denke. Ich habe im Augenblick besonders ranzigen Tee vor Augen, den auch im Angesicht völliger Verzweiflung nicht trinken mag.

Kommen mir große Ereignisse in den Sinn? – fragt er weiter. Was denn? Zum Beispiel der Moment, an dem eine Messerspitze handgemörserter Tee aus ausgesuchten japanischen Blättern sein perfekt temperiertes gefiltertes Wasser trifft? Dieser Tagtraum traumhaften Tees, bevor ich wieder die Augen öffne und mich das Unkraut von Meßmer anschielt?

Es sind gerade die kleinen Momente, die jeden Tag einzigartig machen, schreibt der Praktikant.

Ja.

Ja.

Und ja.

Das ist es!

Es macht ein kleines Plumps, kaum hörbar, als die Teepackung auf dem Boden des Mülleimers auftrifft.

 

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