Endzeit für Rosi

Coole Plakate haben sie schon, die Piraten:

Und sie hängen Sie mitten in die Wunde:

Das links ist das Rosi’s, eine der letzten unsanierten Partylocations auf dem Technostrich, die an die wilde erste Hälfte der 90er erinnert, provisorisch, verratzt, abgerissen und das in uralten Gemäuern beherbergt seine ganz eigene magische Atmosphäre schafft.

Jung ist es, das Publikum dort, noch nicht oder gerade eben der Schule entwachsen, Drink in der Hand, draußen chillend auf Couches unterm Pflanzendach, in Trauben um den Kicker herumstehend oder drinnen drängelnd. Nie aggressiv. Manchmal ist es auch gut, was da nachwächst.

Die Musik ist schwer einzugrenzen, ich hörte Electro, ein wenig House, Gorillaz und plötzlich „You shook me all night long“ von AC/DC. Krasse Mische. Man nimmt sich hier nicht ganz so ernst. Fein.

Und draußen im Garten steht der alte Grillmeister-Opa in seinem Hippie-Outfit und seinem weißen Rauschebart, der sich auch von feixenden Kiffern nicht von seinen drolligen Burgerbratlingwendekunststücken abhalten lässt. Der meint den ernst, den Job den er da macht. Das ganze Ding hier hat verdammt nochmal Stil. Klub Kultur Kiezhof. Toll.

Doch das wird enden. Denn von rechts robben sich schon die eiskalten Neubauten heran. Es kündigt sich an: Lärmbelästigung. Geruchsbelästigung. Daseinsbelästigung. Überhaupt Belästigung. Man wird sich belästigt fühlen, hier, wo man investiert hat, belästigt von denen, die schon lange hier sind.

Ich drehe mich um und sehe noch mehr angehende Ödnis in Toplage:

Investoren wegbassen. Danke Piraten, aber nein, so läuft das nicht. Die Investoren werden euch wegbassen, weil sie euch immer wegbassen. So war das schon immer und so wird es immer sein. Sie wollen München überall und sie werden nie aufhören.


Rosis’s
Revaler Str. 29
10245 Berlin



 

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