Mustafa

Liebe Touristen,

ernsthaft, ich hab‘ nix gegen euch, zumindest nicht, wenn ihr nicht gerade in meinen Hauseingang pisst oder scheißt, euch auf den S-Bahnhof Schönhauser Allee erbrecht oder mit Hitlergruß aus dem Fenster des unsäglichen Generator Hostels an der Landsberger Allee grölt. Ehrlich, ich hab‘ nix gegen euch.

Aber ihr seid bescheuert. Ihr steht eine halbe Stunde an einem stinknormalen Dönerstand an, nur weil Marco Polo oder die TUI-Broschüre euch sagt, dass es da cool ist.

Ist es nicht. Auch Mustafas Döner ist nur ein Döner.

Ja, nur ein Döner. Ein guter Döner zweifellos. Aber mittlerweile ist jeder Dönerhorst von Wedding bis Tempelhof auf die Idee gekommen, frittierten Gemüsematsch mit in den Döner zu knallen, weil das besser schmeckt, und das Ganze für einen Euro mehr zu verkaufen. Gut, außer in Weißensee vielleicht, aber da verkaufen ja auch deutsche Laubenpiepergesichter mit Glatze den Döner und halten es sogar für den Gipfel der Innovation, wenn sie die Pommes von Frosta mit denen von Kaufland ersetzen.

Gesund ist das hier auch nicht, liebe Touristen, auch wenn der Name Gemüsedöner gesund klingt: Er ist es nicht. Das Gemüse wird frittiert, ist danach fettig und kommt zu dem ganz normalen Dönerranz, es ist also quasi ungesünder, weil noch fettiger, klar.

Und wenn es den Scheiß jetzt überall und sogar in Prenzlauer Berg gibt, die Frage von mir dazu: Warum steht ihr da?

Antwort: Weil da alle stehen.

Das ist alles.

Weil da alle stehen.

Ein Hype. Seit Jahren schon.

Ihr steht eine halbe Stunde für einen Döner an und findet das geil.

Mustafa, ich find‘ das auch geil. Verdammt geile Ecke, die du dir da ausgesucht hast – direkt am U-Bahnhof Mehringdamm mit Publikumsverkehr ähnlich dem Times Square in Blickweite des ebenso irrational gehypten Curry 36 mit seiner chronischen Warteschlange zu jeder Tag und Nachtzeit, die du mittlerweile ausstichst.

Mustafa, ich find‘ noch was geil: Letztens sah ich dich oder einen der deinen einem Obdachlosen einen Döner geben. Für umme. Einfach so, routiniert außerhalb der Schlange aus der Türe zur Seite raus. Der Beschenkte sah sehr hungrig aus. Das zeugt von Herz – schön, so etwas in der Metropole Berlin zu sehen.

Mustafa, alles prima, geiler Döner, geile Mitarbeiter, großes Herz, mach weiter so.

Und euch Touristen viel Spaß beim Anstehen und anschließendem Instagrammen, Facebooken und Foursquaren. Ihr steht da zu recht. Das Produkt ist gut und es ist nur für euch gemacht.3

 


Mustafas Gemüse Kebab
Mehringdamm 32
Kreuzberg
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