Berlin. Wir können nichts. Und das immer.

Das ist die Max Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg. Eigentlich ganz nett. Wenn sie nicht in Berlin stehen würde.

Seit der Eröffnung der O2-World hat die sowieso schon chronisch defizitäre Halle einen weiteren Niedergang in der stadtweiten Bedeutung erlebt und das hängt mit dem Weggang der Basketballer von Alba zusammen. Jetzt gibt es hier noch die Handballer der FüchseBerlin und jene stellen in der Tat das letzte verbliebene Highlight dar, wenn nicht gerade die örtliche CDU die Halle mietet, um unter pompöser Liveberichterstattung des unsäglichen RBB einen ihrer sinnlosen Provinzfürsten vor einem sinnlosen Häuflein Junge-Union-Pinguinen und deren Zehlendorfer Omas sprechen zu lassen.

Ansonsten tut sich wenig hier, es spielen ein paar Volleyballer, die keiner kennt, die aber mit BerlinRecycling den mit Abstand beschissensten Vereinsnamen der Welt haben, es werden die Berlin Masters der rhythmischen Sportgymnastik veranstaltet und DJ Bobo hat sich angesagt. DJ Bobo. Lebt der noch? Irre. Fehlen noch Captain Hollywood Project oder Haddaway. Vielleicht gräbt ja auch noch jemand La Bouche oder Culture Beat aus der Gruft aus und wenn, dann treten die bestimmt auch hier in der Max Schmeling-Halle auf, weil man sie woanders nicht reinlässt und gerade in Mecklenburg-Vorpommern kein Baumarkt eröffnet wird.

Was gibt es noch? Aha, eine Militärmusikschau. Sehr schön, die Pickelhauben marschieren wieder. Uff tata. Ist es also wieder soweit. Und weil das nicht reicht oder für sich gesehen doof aussieht, kommt noch als Kontrastmittel Bülent Ceyhan. Seufz.

Traurig, die Halle, wenig Termine hier und wenn dann nur Drittklassiges, Abgehalftertes oder irgendwas für sinnlose Randgruppen wie Royalisten nebst Rassepferden oder halbtote Rockstars aus den 70ern, die kein Stadion mehr vollkriegen, weil nicht mehr so viele 68er leben, die den Künstler kennen und noch laufen können.

Wenn man auf den Veranstaltungskalender schaut, sieht man kaum jemand mit Rang und Namen hier aufspielen, außer The BossHoss – vielleicht spielen die dort aus Mitleid, denn die Halle ist viel zu klein für die großen Jungs. Und Casper. Gut, Casper ist Nischenmusik, Studentenrap, sehr klug, deshalb will das keiner sehen – ein paar Meter weiter im Wedding würden die Bushidokinder den Casper in die nächste Mülltonne oder gleich mit dem Kopf voran ins Schulklo stecken.

Seinerzeit hat man die Max Schmeling-Halle für Berlins Olympiabewerbung 2000 tief in den Boden gestampft. Bekanntermaßen hat Berlin bei der Olympiabewerbung versagt und versagt nun mit der stadteigenen Konsequenz auch bei der sinnvollen Nachnutzung der Erblast. Man bleibt sich treu. Berlin eben. Nichts klappt. Flughafen. S-Bahn. Rolltreppen. Rote statt Grüne Welle durch den Wedding Richtung Autobahn. Schlaglöcher. Schrottarchitektur. Bankgesellschaft. Wilhelminische Bezirksämter mit Pickelhaubenflair, dessen Sachbearbeiter wahrscheinlich in der Max-Schmeling-Halle mitmarschieren. Filz. Korruption. Geldverschwendung. Be Berlin. Wir können nichts. Und das immer.

Dabei ist das Gebäude clever gemacht, schön unter der Erde verbaut und verfügt über ein sehr gutes Wegekonzept. Davon abgesehen ist die Lage mitten in Prenzlauer Berg Höhe Mauerpark/Falkplatz so, dass man eigentlich nicht viel falsch machen kann, sondern sich einfach darauf konzentrieren könnte, der neureichen Bioschickeria des Bezirks und den unüberschaubaren Touristenhorden das Geld in ganzen Bündeln aus der Tasche zu ziehen.

Man könnte.

Hier.

Eigentlich.

Nichts falsch machen.

Aber.

DJ Bobo.

Dschingderassabum mit Pickelhaube.

Berlin Recycling.

So sexy wie FC Biotonne.

Oder SSC Wurstfabrik Knödel 09.

Ich weiß nicht, woran es liegt. Ist es die sprichwörtliche Berliner Inkompetenz gepaart mit dem unbedingten Willen, alles mit möglichst hoher Geschwindigkeit an die Wand zu fahren? Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass ich schon gerne mal wieder in die Max Schmeling-Halle gehen würde, wenn da irgendwann mal etwas gegeben wird, das wenigstens ein wenig interessant ist. Ein wenig nur. Mehr erwartet man ja hier nicht mehr.

 

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