Lass mal netzwerken – der besondere Link vom 16.08.13

Selten trifft ein Text derart präzise das, was ich denke, so dass ich gar nichts mehr dazu schreiben mag, sondern stattdessen einfach zitiere:


Shakespeares Hamlet wurde in der britischen Nationalbibliothek indiziert: Er enthält Gewalt oder wie auch immer die Formulierung der Zensoren lauten mag. Die nächste Bücherverbrennung findet auf Knopfdruck statt. Niemand braucht sich der Mühe unterziehen, einen Scheiterhaufen zu errichten, um wenigstens symbolisch die unerwünschten Werke dem Vergessen zu übergeben. Nein: Ein Knopfdruck und es wird nie existiert haben. So wenig wie die Werke Thomas Morus, Karl Marx oder Kropotkins. Glaubt jemand an die Zukunft des Kindle -Readers über die nächsten 300 Jahre?

Das kollektive Gedächtnis der Menschheit fällt der Bequemlichkeit zum Opfer, zur Freude der Zensoren und ihrer Auftraggeber. Irgendwo ein #Aufschrei? Ja, durchaus. Wenn in den Werken Astrid Lindgrens das Wort Neger auftaucht oder in anderen Kinderbüchern. Dann übernehmen die moralisch unangreifbaren orthopädischen Stützstrümpfe der Gesellschaft sogar freiwillig die Arbeit der Zensoren. Mir gellt noch ein Leserbrief in den Ohren, in dem eine bemühte Dame zu Protokoll gab, daß es vielleicht eines fernen Tages so weit wäre, daß es keiner Zensur bei einer rundherum aufgeklärten Menschheit bedarf – was für für eine abgrundtiefe Verachtung des freien Gedankens! Besser: Der Angst davor. Vorauseilender Gehorsam. Doppelplusungutes Schlechtdenk.

Hamlet auf dem Index – einen neuen Shakespeare wird es nicht geben; das werden sie zu verhindern wissen. Sie machen es nicht einmal vorrangig aus böser Absicht. Es ist die pure Dummheit. Und per Knopfdruck.


Pantoufle betreibt den Blog die Schrottpresse und tourt gerade durch Osteuropa. Zwischen Anschaulichem, Vergnügtem und Frontberichtartigem aus den Niederungen des prekären Rock’n Rolls finden sich immer wieder echte Bretter wie der Absatz oben. Schlicht großartig.

Der Blog ist erfreulich unideologisch, wobei dennoch klar ist, wo er steht. „Feinfedriger Qualitätsjournalismus“ steht ganz unironisch im Header als Motto und das trifft den Kern auch. Mehr Florett denn Vorschlaghammer.Wenn Pantoufle nicht gerade auf Tour ist, schreibt er fundierte Essays mit der Schärfe einer Rasierklinge, die ich so gerne bei Zeit Online oder meinetwegen bei der taz lesen würde – statt der halbgaren als Leserbeiträge verbrämten Nichtigkeiten, mit denen man zu oft die Leser traktiert. Oder nein, lieber doch nicht, denn die Schrottpresse schmeißt ihre Erzeugnisse einfach so auf den Jahrmarkt der Meinungen ohne Werbung zu schalten, Banner über die Texte zu legen oder großflächig um Geld zu buhlen, obwohl die Texte das hergeben würden. Nicht mal flattrn kann ich ihn.

Manche Dinge laufen nicht so, wie er sich das vorstellt. Die Gedichte am Dienstag zum Beispiel. Da beschwert er sich leidenschaftlich darüber, dass die kaum angeklickt werden. Tjoar, das ist wie bei mir und meinen Architekturergüssen, die sind auch nicht wirklich beliebt. Ein Herr Schwenzel hat mich dafür sogar explizit in seiner Blogrolle gedisst.

Es ist eben ein persönlicher Fetisch und man versteht in seiner eigenen kleinen Welt nicht immer, wie das, was einem selbst so wichtig ist, die anderen so wenig interessieren kann. So ist das eben. Leben. Ponyhof. Und so.

Für einen Politblogger ist Pantoufle erstaunlich entspannt, jedoch glaube ich mich zu erinnern, dass er vor einiger Zeit auch mal spontan hingeschmissen hat und aufhören wollte zu bloggen, weil er sich ein paar penetrante Trolle eingetreten hat. Klar, wenn man sein Blog als Haus betrachtet und jemand kackt ein dünnes Stück Suffschiss auf den Läufer im Windfang, dann kann ich schon verstehen, dass man sauer wird, auch wenn ich die Trollfrage selbst entspannter sehe, aber wahrscheinlich nur so lange, bis sich der erste Psychopath hier festsetzt.

Die Schrottpresse – ein perfekter Name für einen Blog, prägnant und so schön doppeldeutig. Ein Blog, den ich vermisse, wenn er mal ein paar Tage nix veröffentlicht.

 


 

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