Goldneun

Berlin-Mitte. Unholy Ecke of Ungarn-Haus somewhere am Alexanderplatz. Hier weht der Wind. Der Wind des Gewöhnlichen. Sea Life. Currywurst für Touristen. Teurer nichtssagender Kaffee. Schnöde Italiener. Nordsee. McDonalds. Der Telespargelfernsehturmpimmel.

Es ist die unfreundliche Rückseite des hippen Hackeschen Markts. Zugig. Furchtbare Architektur aus der Folterkammer Stalins. Hier geht nicht viel, hier läuft man durch und weg, schnell – woanders hin, dorthin, wo es auf jeden Fall gemütlicher ist.

Und jetzt das: Goldneun. Gehobene Küche. Ambiente. Betonlampen. Rote Plastikstühle. Mutwillig zerschlagene Spiegel. Offenbar zog man ein und hat dann erstmal demoliert. Und dann die Lücken gefüllt.

Doch kochen kann man hier. Sehr gut kochen. Nicht ganz auf Sterneniveau, aber vom Feinsten.

Konzept offene Küche. Man kann reinlatschen, den Koch zuquatschen und der freut sich, der Sympath. Überhaupt: Sympathisch. Der ganze Laden. Manchmal grätscht nur etwas Unsicherheit dazwischen: Möchten Sie Eis in den Whisky? Oh bitte nein! Manchmal fehlt der Wein zum Hauptgang und kommt spät nach, aber das ist hier immer noch im Rahmen. Nur bei Michelinsternen würde es mich ärgern. Deswegen gibt es hier wohl keine, obwohl die Küche nah herankommt.

Ich komme wieder – auf jeden Fall. Wenn ich noch Gelegenheit dazu habe, denn die Lage ist heikel, hier hüpften schon einige vielversprechende Ansätze über die Spree. Kein guter Ruf, die Gegend, hier in Rufweite zu Schlögl’s Altberliner Gaststube im Dunstkreis des McRib.

Die Anzeichen sind schon da. Man ahnt, es könnte besser laufen. Die große Lounge – unbesetzt, leer, das Restaurant jedoch zumindest gut gefüllt – nur ob das Konzept bei den sicher nicht geringen Mieten hier auf Dauer trägt, kann man mit einigem Recht fraglich stellen.

Und heute bediente Sie: Das Restaurant.

Und morgen? Die Theke.

Und dann? Die Stuhllehne.

Doch. Ja. Gerne nochmal. Sehr gerne sogar.


Goldneun
Karl-Liebknecht-Straße 9
10178 Berlin


Nachtrag: Das Lokal scheint inzwischen geschlossen zu haben. Da scheine ich mit meiner Kurzkritik ein wenig zu spät dran gewesen zu sein.


 

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