Der Irre vom T-Punkt

Ich stehe im T-Punkt herum. Niemand kümmert sich um mich. Außer ein Irrer, der neben mir an der Theke lehnt und um den sich auch keiner kümmert. Er spricht zu mir:

„Dälägom! Ämmo Dälägom! Do woisch was de hosch. I säch ämmo Dälägom! I bin scho ämmo bei d‘ Dälägom. Mei ganzä Familjä isch bei d‘ Dälägom. Ällä. Do woisch oifach was de hosch.“

Comedy. Irgendwo sitzt Guido Cantz und lacht sich seinen unlustigen Arsch weg. Er spielt heute Marbach am Neckar mitten in Berlin. Und Deutschland schaut zu und findet das witzig. Routine, Alter. Mach es wie bei allen Irren dieser durchgeknallten Stadt: Ignorieren. Nicht anschauen. Die sind gar nicht da.

„Ärrlich! I bin bgeischdort von d‘ Dälägom. Immer gwä. Hörsch? I ko do no oratte zu d‘ Dälägom. Ämmo subber Sörwiss. Kansch do sicher sei.“

Der kuckt mich an, der meint mich. Ganz klar. Er feuert Propaganda von der Seite in einer komischen Sprache. Hat den Vodafone bezahlt, damit er Kunden vom T-Punkt vergrault? Was will der von mir? Ich lächle ihn an wie ich einen anlächeln würde, der sich mit seinen eigenen Exkrementen einschmiert während er versucht, sich selber einen zu blasen. Was ein Fehler ist. Denn jetzt fühlt er sich ernst genommen.

„Hähähä I hanns ämmo scho gsaggt. Neamadds woandoscht. I will des ganze Gseich net hom. Nur Dälägom.“

Ist ja gut, meine Güte, die Verkäuferin lächelt mich milde an. Weil der mit mir spricht. Und nicht mit ihr. Ist wahrscheinlich shopbekannt als Telekom-Groupie. Dälägom!

Ich falle zurück in das bewährte Muster, schaue so ausdruckslos wie ich nur ausdruckslos schauen kann und ernte ein Pferdelachen: „Sä-hä mochots richdig! Gibbt nix bessos. Machätse Dälägom.“ und klopft mir auf die Schulter. Kumpelei. Verbrüderung. Mit Anfassen.

„Hören Sie, ich muss dringend weg, ich glaube, mir ist gerade meine Ohrhämmerchen durchgebrochen und versucht sich durch das Trommelfell zum Zigarettenholen abzuseilen. Und mein Blinddarm versucht in seiner Verzweiflung, die Milz in den Arsch zu pimpern, damit man ihn endlich aus mir entfernt. Ich muss weg. Schicken Sie mir alles was Sie so haben per E-Mail bitte? Hier meine Adresse, ich unterschreib‘ alles, aber ich muss weg. Ja? Dange! Subber! Tschüssle.“

 

 

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