Gegrillte Tierleichen aus Weißensee

Für das beste Grillhähnchen Prenzlauer Bergs muss man ein paar Meter über die Ostseestraße nach Weißensee rein. Geht nicht anders. Alle anderen taugen nix. Innen trocken und fad, dafür außen überwürzt und extrem fettig, die Haut labberig, mit gallertartigen Fettstücken – im Ergebnis nur schwer essbar. Massentier-KZ. Wiese. Hof und so. Meist bekommt man diese traurigen Hühner als Beigabe aus der Ecke einer der letzten ranzigen Dönerbutzen der Gegend angeboten, wenn man ausnahmsweise mal nicht vom fiesen Hackfleischspieß im trockenen Fladenbrot auf Eisbergsalat naschen will.

Vor dem Rewe an der Ostseestraße steht an vier Tagen in der Woche ein in hoffnungsfrohem Gelb/Orange gekleideter hochanständiger Imbisswagen, der Hähnchen, Putenkeule und Schweinshaxe vom Grill verkauft.
Das Präsenzsystem, vulgo: an welchen Tagen der Imbiss vor dem Rewe gastiert, habe ich entweder nicht begriffen oder es gibt keins. Ich weiß nur, dass er ungefähr vier Tage in der Woche dort steht – an welchen das ist, ändert sich laufend und ist vielleicht von der Lage des nächstgelegenen Asteroidengürtels, dem Menstruationszyklus der Besitzerin oder dem völlig willkürlichen Fahrplan der Berliner S-Bahn abhängig. Mal da. Mal nicht. Keine Ahnung, ich steig‘ da nicht durch.
Gut, ein Scheißname ist das auch. Gaumenschmaus, ein Oma-Wort wie aus der Endzeit der Weimarer Republik, aber egal: Wenn gegrillte Tierleichen, dann da.

Gaumenschmaus
Vor dem Rewe
Ostseestraße 23
10409 Berlin


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