Verarsch mich doch (12)

Hotel. Im Bad. Hurra, da isser wieder, der scheinheilige Aufkleber. Benutzen Sie die Handtücher, bis sie vor Dreck stehen. Helfen Sie unserer Umwelt! Der Umwelt zuliebe! Wir werden sonst alle sterben.

Bibber.

Wimmer.

Buäh.

Und ein riesengrüner Baum drauf. Entwurzelt.

Verarsch mich doch. Umweltschutz. Na klar. Ihr Heuchler wollt nur die Kosten für die ganze Wascherei sparen. Die Umwelt interessiert Euch einen Dreck. Es geht um Kohle. Um die Bilanz. Senkung von Wasser- und Stromkosten. Und für Waschmittel. Nur kann man das nicht so hinschreiben, weil das so kleinlich klingt, so arm, so erbärmlich, so … ja, gierig.

Also schiebt man wieder Öko vor.

Öko geht immer.

Öko wäscht jeden dreckigen Hintergedanken sauber und rein. Grüner Baum. Umwelt. Kaltes Glas Wasser. Klingt nach reinem Gewissen. Rein. Natur. Bach. Blüten. Und die Drossel. Amsel. Fink und Star. Tralala. Hand aufs Herz zum heil’gen Schwur: Wir schützen die Umwelt. Und bei den Handtüchern fangen wir an. Nicht beim Dosenthunfisch im Toskanasalat, den neuseeländischen Braeburnäpfeln, dem ewig fettgezüchteten Lachsfilet zum frischen Spargel im November, den zwischen Rotterdam und Marokko hin- und hergegurkten Tiefkühlgarnelen für den Shrimpcocktail, nicht beim ewig sprudelnden Brunnen an der Rezeption oder dem dauerbeheizten Außenpool, den Heizpilzen auf der Terrasse und der Festbeleuchtung im sterilen Gartenpark mit den armen mutwillig verkrüppelten Bäumchenskulpturen in Kegelform.

Nee. Das würde ja auffallen, wenn wir da sparen würden, das würde dann irgendwie so armselig wirken wie wir sind. Fangen wir lieber mit den Handtüchern an. Da kann man so schön auf die Tränendrüse drücken und Öko vorschieben, dabei spart das bares Geld. Und der Gast kriegt ein mörderschlechtes Gewissen, wenn er das alte Drecksding mit den Resten der vor Tagen aufgeschrubbten Arschbackenpickel nebst Regelblut und Kopfhaarschuppen endlich auf den Boden wirft.

Und alle scheintoten Biohansel aus allen scheintoten Biohanselhochburgen von Prenzlauer Berg über Mar- und Co- bis Freiburg freuen sich wieder einen nachhaltig gebackenen Keks aus gabunesischer Mannahirse, weil sie ein weiteres Mal die Welt retten, indem sie eine Woche lang ihre verkeimten Handtücher benutzen, bis sie ihnen vom faltigen Leib faulen.

Ich bin wieder mal raus aus der Nummer. Mach‘ ich nicht mit. Ich trenn‘ keinen Müll, fahre kein Fahrrad und schmeiße jeden verdammten Tag verdammte Handtücher auf verdammte Badezimmerböden. Zumindest, wenn ich im Hotel bin. Verarsch. Mich. Doch.

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