Buddhas Küche: Curry as Curry can

Für Buddhas Küche, eines von gefühlten zwei Milliarden Vietnamlokalen der touristisch besetzten Gegend um das Schlesische Tor, brauche ich Gleichmut. Denn für Deutsche, die es außerhalb der gehobenen Kategorie gewohnt sind, sich im Lokal hinzusetzen wo sie es wollen, entsteht gleich nach dem Betreten ein seltsames Gefühl. Denn man wird platziert.

Platziert. Ja, wie zu Ostzeiten.

Oder wie im Rest der Welt. Außer in Deutschland.

Das mutet manchmal komisch an und ein wenig stört es mich auch, wenn ich alleine an den allerletzten Katzentisch hinten in der Ecke bugsiert werde oder nebenan eine dreiköpfige Gruppe von einem nichtreservierten (!) Tisch extra noch mal aufstehen und die Mäntelchen raffen muss, weil der Service einen anderen Vierer-Tisch für diese Gruppe vorgesehen hat. Ganz offenbar sollen die von der Straße sichtbaren Tische bis zuletzt frei bleiben, um potenziell nachrückende Gäste nicht abzuschrecken. Wer schon drin ist, ist dann nur noch Manövriermasse.

Naja.

Die Sommerrollen in dem Laden sind überraschend fad, sie bestehen größtenteils aus Gurke, geschmacklosem Huhn aus dem Großhandelseimer, irgendetwas Salatartigem (Hölle gefriere zu, wenn es tatsächlich Quasimodo der Eisbergsalat war), sind umwickelt mit der üblichen Reispappe und schmecken nach absolut gar nichts, wenn man sie nicht in die sauer-scharfe Instantbrühe tunkt, was nur wenig am faden Eindruck ändert. Ist dann eben etwas säuerliche Pappe. Es gibt nicht einmal Zitronengras, um kulinarische Raffinesse wenigstens zu simulieren.

Gulp.

Der grüne Tee enttäuscht ebenfalls. Ich vermute seine Herkunft im fünf-Kilo-Muss-weg-und-ist-deshalb-billig-Sack von der Metro oder in Bauer Mettes Heuschober. Gut ist er nicht. Er wäre vielleicht erträglich, wenn man ihn nicht zusätzlich in kochend heißem Wasser servieren würde, denn das gibt ihm noch den Rest und er schmeckt nach lang gelagertem Heu oder Kiff.

Die Hauptspeisen auf Kokos- und Currybasis sind geschmacklich halbwegs brauchbar, wobei die irrwitzige Menge Kokosmilch dann beginnt zu ärgern, wenn man bereits ab der Hälfte nicht mehr mit Stäbchen weiterkommt, sondern die Suppe schnöde auslöffeln muss. Hier begegnen wir auch wieder unserem Eimerhähnchen aus der Sommerrolle.

Déjà vu.

Die Gerichte mit Rind und Ente sind besser, oft sogar herausragend gut und hier haben wir nun endlich einige Lichtblicke. Manchmal trifft mariniertes Rind auf Gemüse in Limetten-Chili-Pho und ist in dieser Kombination schlicht großartig. Sowieso habe ich den Eindruck, dass die Nudelsuppen mit Fleischeinlage den Reisgerichten um Äonen voraus sind. Ja, die sind gut. Wenn hier, dann das.

Man muss also wissen, was man bestellt und was man besser seinlässt, hier in der Touristenmeile Falckenstenstraße. Nur dann wird es gut.


Buddhas Kitchen
Falckensteinstr. 42
Kreuzberg


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