Schienenersatzhölle

Das ist keine Demo gegen Ausbeutung, Gier, Banken oder Kapital, sondern die Zusammenrottung für den Schienenersatzverkehr in Wuhletal.

Berlins Unwort der Jahrzehnte ist Schienenersatzverkehr, irgendwo ist immer einer, und so sieht er aus: Immer zu spät, immer überfüllt, immer zu wenig Busse, immer ein Gedrängel, immer Nahkampf und immer der dritte Bus nach 15 Minuten, in den ich mich endlich irgendwie reinquetschen kann und in dem ich weitere fünf Minuten stehe, bis der Busfahrer die Türe schließen kann, weil die idiotische automatische Lichtschranke erst die Tür freigibt, wenn sich alle noch ein bisschen mehr zusammengequetscht haben.

Mitten in das Gedränge der Massen gestellt hat man ein paar unterbezahlte Pappkameraden mit lustigen Mützchen, die sich „Fahrgastservice“ nennen und für wenig Geld den Frust genervter Passagiere abfedern müssen.

Wie kommt man an so einen undankbaren Job? Wie läuft das ab? „Hallo Bittsteller, ich hab‘ hier tatsächlich mal ein Jobangebot, natürlich weit unter Ihrer Qualifikation, kennen Sie ja, aber Sie müssen den Scheißdreck annehmen, sonst kürz‘ ich Ihnen die Stütze weg und dann gibt’s nur noch Lebensmittelmarken wie bei den syrischen Asylanten. Hier die Stellenbeschreibung: Sie werden der Punchingball und Frustmüllschlucker für all die restlos angekotzten Vollidioten sein, die unbedingt im Berufsverkehr nach Hellersdorf fahren wollen, obwohl wir sie mit allen Mitteln davon abzuhalten versuchen. Wie finden Sie das? Also husch husch, ab unter den Sonnenschirm und gute Laune gemacht, der Fahrgastpöbel will unterhalten werden, wenn er sich an einem schwitzigen Sommertag in enge Busse pferchen muss und durchgeschüttelt wird wie ein McDonalds-Milchshake, den Sie sich von Ihrem popeligen Euro in der Stunde nie werden leisten können. Und sehen Sie zu, dass Sie das schnell eingefangen kriegen, wenn da jemand rumpöbelt, weil er wieder in der Achselhöhle eines ungewaschenen adipösen Hellersdorfer Nazis fahren musste oder vor Ihnen auf den Bürgersteig kotzt, weil er sich am schweißnassen Rücken eines Lichtenberger Gerüstbauers gerieben hat. Wir wollen hier keinen Stress. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Auch im Chaos. Setzen Sie das durch oder tun Sie wenigstens so. Die Situation ist unhaltbar, aber Sie schaffen das schon.“Dinge, die sich nie ändern: Stümperei, dein Name ist Berlin.

 

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