Transit: Scheiß Name – Gutes Essen

Eine gute Idee. Ein gutes Konzept. Ein gutes Lokal. Nur ein scheiß Name. Transit. Klingt wie Autobahntankstelle. Zoll. LKW-Schlangen. Visumpflicht. Machense mal’n Kofferraum auf.Es gibt dort irgendwas um die 25 asiatisch ausgerichtete Tapas für 3 Euro das Stück, fast alle, die ich bisher probieren konnte, für sich gesehen mal ein Gedicht, mal raffiniert, mal außergewöhnlich, manchmal scharf und selten fad. Das ist toll, das macht Laune, das finde ich gut.

Ja, es ist nicht wirklich authentisch, sondern in etwa so, wie sich ein Mitteleuropäer asiatische Tapas vorstellt, doch geschenkt, denn es ist gut, wirklich gut, manchmal ganz herausragend und bisher nur einmal wirklich schlecht: Das Schlechte sind die Schweinerippchen nahezu ohne Fleisch dafür mit zu viel Knorpel, so dass man im Endeffekt nur die Soße vom harten Stück runterlutschen kann. Nein, die sollte man lassen, die bringen niemanden weiter. Rausgeschmissenes Geld.Doch auch die großen Portionen für 7 Euro das Stück lohnen sich, selbst das eher banale Nasi Goreng, das mit Beigaben in Form einer dezent scharfen Soße und einer frischen Limette verfeinert werden kann, was passt und dem U-Bahn-Chinabuden-Knaller eine neue, sehr frische Note gibt. Ein Highlight sind die selbstgemachten Reisbandbudeln, ausladend in der Breite und schlicht sensationell gut.

Das außergewöhnlich gelungene Pana Cotta, warmer Schokoladenkuchen oder was es sonst noch Nachtischartiges gibt, setzen einen gekonnten Schlusspunkt. Selten so gut bekommen. Und ich bin eigentlich keiner großer Freund von Desserts. Hut ab.

Das Ambiente ist stylish, gnädig düster gehalten und optisch ansprechend, schick könnte man sagen. Über den Tischen hängen über die volle Länge dieses eher schlauchartigen Raumes Unmengen an … was zum Henker sind das? Vogelkäfige? Warum ist das so? Und wo sind die Vögel dazu? Eigenwillig skurril, das Ganze, der Sinn erschließt sich mir wie so oft nicht so ganz. Wahrscheinlich Kunst.

Der Service hat in der weiblichen Ausprägung eine latent lakonische Ader und singt während der Getränkezubereitung gerne mal ein leises Duett mit der Köchin aus dem Off, während der männliche Part irritierend wortkarg, aber trotzdem fast sympathisch daherkommt. Alles irgendwie skurril, aber witzig und nie unfreundlich.

Kann man das öfter machen? Unbedingt.


Transit
Sonntagstraße 29
Friedrichshain


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