Auf dem Kreuzberg

Berlin hat ’nen echten Berg, jaja, nicht einen dieser vielen Weltkriegsschuttberge, diese Mont Klamotts, aufgeschüttet mit Unrat, dann überwuchert und nun eine Erhebung, eine künstliche, nein, der Kreuzberg ist echt. Ein echter Berg.

Gut, in Süddeutschland geht so etwas hökschtens als Hügel durch, als Buckel denn als Berg, aber das ist ja egal, wir haben ja nicht viel hier, kein Geld, keine Jobs, keinen Stil, keine gute Erziehung, keinen Flughafen und eben auch nicht viel geologische Erhebung, da kann man diesen Erdhaufen schon mal Berg nennen, wenn man mag.

Ich mag ihn, den Kreuzberg, ich kletter da gerne hoch und fühle mich dann vor lauter fehlendem Bergtraining so, als hätte ich gerade die Eiger Nordwand bestiegen.

Und dann steh‘ ich oben und kann ganz weit sehen: Hier der Potsdamer Platz, dort die Tempelhofer Freiheit, schön, und ich muss noch nicht einmal was dafür bezahlen, den schönen Blick von hier hat man umsonst, es ist einer dieser schönen Orte dieser schönen Stadt, die sonst nichts auf die Reihe bekommt, aber so viele schöne Orte hat, die man völlig kostenlos erleben kann. Dafür mag ich meine Stadt wieder.

Man sagt, dort wird auch Wein angebaut. Der total scheiße schmeckt. Richtig scheiße. So eine Art Mischung aus Essigwasser und Hornhautgrindessenz. Vielleicht kann man wenigstens Glühwein draus machen für die besoffenen Weihnachtspansengesichter mit ihren Blinkezipfelmützen vom beschissenen Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz. Oder man kriegt den Kalkgrind in der Badewanne damit weg.

Der schöne Kreuzberg.

Mit dem Wasserfall, dem schönen Wasserfall …

… dem …

… ja dem manchmal das Wasser ausgeht, weil der Stadt das Geld ausgeht. Das ist dann peinlich, das ist dann arm, armselig, bescheuert, beknackt, arschig, panne.

Aber wenn das Wasser wieder läuft, weil die arme verlotterte Stadt wieder ein paar Kröten aufgetrieben hat, dann ist es wieder so schön hier wie immer. Kreuzbuckel. Kreuzhügel. Kreuzberg.

 

 

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