Das zerstörte Gesicht

I am from Poland, sagt sie.

From where in Poland? Warszawa?

Sie lächelt.

Stettin. Sie spricht es deutsch aus.

My name is Alina. What is your name?

Sie tanzt. In einem Nachtclub in Charlottenburg.

Sometimes, when I like somebody, I give him a private dance for free. Dann lacht sie. Ihr Gesicht ist nicht mehr das, mit dem sie geboren wurde. Botox. Goretex. Lippen. Wangen. Stirn. Sie ist nicht mehr jung. In ein paar Jahren schon wird ihr Gesicht nicht mehr schön sein. Sie hat es zerstört. Und sie weiß es.

Often men are not nice to me. They touch me rough and say bad things to me. Wenn sie das sagt, werden ihre schönen Augen dunkel und sie wendet sich ab.

I feel tired sometimes. Life is not easy. Ich weiß, dass sie eine grobe Kaiserschnittnarbe hat. Wie geht es deinem Kind? lautet die Frage, die ich nicht stellen werde.

Do you think I am beautiful?

Yes, you’re amazing.

Do you like me?

Yes. I do.

Was wird aus dem Silikon in ihren Brüsten, wenn sie zehn Jahre älter ist? Was aus dem Metall an ihrem Körper? Den Löchern, in denen es steckt? Sie wird dann schon nicht mehr tanzen können. Das will keiner mehr sehen. Was wird dann aus ihr?

You are a friendly guy. I like your smile.

Ihre vielen Tattoos werden in sich zusammenfallen, wenn die Haut welkt. Die Löcher in ihrem Körper werden Brandnarben sein. Auch das wird keiner mehr sehen wollen. Kein Markt dafür. Sie wird nicht in Würde altern können. Wie wird sie leben? Wird sie dann noch leben?

Thank you. And I like your eyes. Ihre Augen kann sie nicht in Silikon einmauern. Sie geben den Blick frei auf das, was hinter Plastik und Metall steckt, auf das, was sie zu schützen versucht.

And when I like somebody very much, I ask him if he want a private night with me at home.

Für ein bisschen Liebe, ohne die wir alle vor die Hunde gehen. Oder die Illusion davon. So macht sie das.

Do you want private at home with me? A little love?

I can’t.

Why not?

Sorry.

Dann wendet sie sich ab.

 

 

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