Am Südkreuz

Boar is dat grau.

Hier hat offenbar der Finsterste aller Stadtplaner dieser architektonisch wundgescheuerten Stadt sein Unwesen getrieben, wahrscheinlich eine dieser weißgrauen Betonkopfmumien aus der Senatsbaudirektion. Ohne Vision. Ohne Geschmack. Ohne Stil. Ohne Sinn. Ohne Hirn. Oder ein Sadist aus dem Bahntower, der abends, wenn die Frau schon im Bett ist, im Hobbykeller lebenden Mäusen die Haut abzieht. Grau. Grau. Nur grau. Abgesehen vom Wurstbrater und vom Service Point in der Mitte. Alles grau. Wie kaputt kann man sein?

Und Big Brother ist immer dabei. Man könnte das alles hier für eine groß angelegte Persiflage auf die Einfallslosigkeit, Kälte und Stillosigkeit der modernen Architektur sehen, als völlig überzeichnetes Statement gegen die allgegenwärtige menschenfeindliche Beton-Glas-Optik, die dort, wo sie einen Ort heimsucht, jeglichen Aufenthaltswert auf Null runterfährt, zumindest an den Stellen, an denen es nichts zu kaufen gibt, wo man kein Geld verdienen kann.

Denn nur dort, wo man Geld verdient, muss es bunt und farbig sein, damit der Rubel rollt. Sonst bitte nirgendwo. Auf keinen Fall. Wo es nichts zu kaufen gibt, reicht Sichtbeton. Unverkleidet. Grau.

Allein das Schlimme ist: Die meinen das ernst, das ist keine Persiflage.

Sind das Zombies oder Fahrgäste? Ist das hier eine Lagerhalle in einem gottverlassenen Industriegebiet an der Grenze zu Weißrussland oder bin ich hier wirklich mitten in Berlin? Es ist dunkel. Glatt. Kalt. Eklig. Hier hat Hollywood wohl die Terminator-Szenen gedreht und zwar die, die in der Zukunft spielen, in der die Maschinen regieren.

An diesem Ort ist die zerkratzte Fensterscheibe der S-Bahn ein Gewinn, weil das Schlimme etwas gedimmt wird und so ein wenig gnädiger wirkt. Ich atme kurz auf, als die Bahn abfährt. Hier will man nicht hin. Hier will man weg.

 

 

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