Mercedes! Welt! Fußball!

Rückblende: Auch schon wieder fast ein Jahr her, die EM, diese tolle EM, in der Balotelli die Deutschen aus dem Pokal schoss.Mich traf das Aus derweil früher, denn ich trug das Trikot der sympathischen Polen, die leider bereits in der Vorrunde zugunsten der Pleite-Griechen aus dem Turnier gekickt wurden.

Eine angenehme EM war das, denn für Anlässe wie diese gibt es einige schöne Orte für Public Viewing überall in der Stadt. Zum Beispiel den, an dem ich das Spiel von Deutschland gegen den Erzfeind von Deutschland gekuckt habe.

Im Autohaus. Kein Scheiß.

Am Salzufer.

Volle …

… Hütte.

Das haben sie ganz nett gemacht, die Benzen von Daimler-Bonz, dicker Monitor, feiner Sound, aber natürlich viel zu wenig Platz, so dass es anmutete wie in einem Flüchtlingscamp, denn ab 18 Uhr, also fast drei Stunden vor dem Anpfiff des Spiels von Deutschland gegen den Hassgegner von Deutschland, waren die Sitzplätze voll, dicht, belegt und oft mit Jacken reserviert wie die Strandliegen mit den unvermeidlichen Handtüchern auf Mallotze.

Und deswegen wurde auch überall im ganzen Gebäude gecampt, von wo noch ein Blick auf den dicken fetten Monitor möglich war. Das machte das Durchkommen zum Bierstand zu einem Hindernislauf, aber das war auch nicht schlimm, denn den Weg konnte man sich sparen und zwar deshalb, weil man hier in der Mercedes-Welt zwei elementare Fehler gemacht hat:

1. Zu wenige Bestelltresen: Freunde, ihr habt das das doch nicht zum ersten mal gemacht, es muss doch klar gewesen sein, dass die Hütte brennt und knallvoll wird. Ebenso klar ist dann, dass die Anzahl der Bierbestelltresen nicht reicht. Manchmal lässt sich das Problem ja auffangen und zwar durch professionelle Bierzapfer und Abkassierer, die man aber hier – und damit sind wir bei Punkt

2. – nicht hatte. Und dann rächt sich die Sparpolitik, wenn man wieder an den Stundenlöhnen knausert, für die man kein professionelles Personal, dafür aber Studenten bekommt, die nicht bierzapfen können. Regel: Das Bier muss immer fließen, wir brauchen keine Künstler, keine Philosophen, keine Germanisten, sondern Zapfer. Schnelle Zapfer. Zapfer, die vorzapfen ohne Rücksicht auf die Optik, die die Kronen hinterher mit dem Zapfhahn draufcheaten und dann weg damit im Akkord. Zack. Zack. Wums. Weg die Scheiße. Es sind Fußballfans, keine Ästheten.

Nein. Hier nicht. Hier wurde jedes Bier einzeln liebevoll bearbeitet, bis es servierfertig war. Und das bedeutete bei einer knallvollen Mercedes-Welt: Warten in langen Schlangen. 20 Minuten für ein Bier. Während des Spiels. In der Halbzeit ging dann gleich gar nichts mehr und wer so blöd war, genau da Bier holen zu gehen, der verpasste auch gleich die erste Viertelstunde der zweiten Halbzeit mit dazu.

Und so blieb ich lieber durstig. Und mit mir viele andere. Und so wird auch klar, weswegen Sparmaßnahmen bei den Stundenlöhnen für die Bierzapfer Unsinn sind: Ein professioneller gut bezahlter Bierzapfer würde viel mehr Biere raushauen, wonach viel mehr Leute Biere kaufen würden, was wiederum viel mehr Umsatz und damit mehr Gewinn ergeben würde. Also mal wieder zu kurz gedacht, Gastronom.

Mercedes! Welt! Immer gerne wieder bei euch, hier im Schatten der geilsten Autos der Welt, nächstes Jahr zur WM auf jeden Fall wieder, aber sag dem Gastronom, er soll sich vorher professionelle Bierzapfer ranholen, die er natürlich auch ordentlich bezahlen muss. Ich möchte nächstes Jahr nicht auf dem Trockenen sitzen müssen bei euch.

Ach ja, und der Spielverlauf war natürlich erwartungsgemäß. Fußball ist ein Spiel mit 22 Leuten, die rumlaufen, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.

Außer wenn Balotelli beim Gegner spielt und der Gegner Italien heißt.


Ich habe hier wieder einen alten Text verwurstet, den ich auf Qype (gibt es das überhaupt noch?) mal geschrieben habe. Schöne EM, schöne Erinnerung, die ich hier einfach festhalten wollte.

Mercedes Welt am Salzufer
Salzufer 1
10587 Berlin 


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