Mein Admiralspalast

Es gibt auf der Friedrichstraße auch einen schönen Veranstaltungssaal, nicht nur diese Stadthalle namens Friedrichstadt-Palast. Den Admiralspalast zum Beispiel. Man behänge denjenigen mit Orden, Schleifen und Lametta, der die Idee hatte, den Hauptsaal wieder so herzustellen wie er in den 20er-Jahren ausgesehen haben muss.

Das Ergebnis ist eine Zeitreise zurück in das gute alte Berlin, das schöne Berlin, das blühende Berlin, das dynamische Berlin, das goldene Berlin, eine Zeitreise, die mich den Abklatsch vergessen lässt, der heute noch versucht, davon zu zehren, was er einmal war und der dann doch immer wieder jede Baulücke mit dem immergleichen Architekturschrott in Glas-Beton-Optik füllt.

Gegenüber steht der neu gebaute Schandfleck namens Spreedreieck, der zeigt, wohin der Weg seit vielen Jahren geht: In das architektonische Elend.

Den Admiralspalast hat man liebevoll saniert, bis in die Details, bis zu den roten Plüschpolstern, dem Gold, den Zierblenden und dem riesigen Kronleuchter. Ich sitze feudal.

Und wenn dann noch der begnadete Max Raabe mit seinem begnadeten Palastorchester aufspielt, dann ist die Illusion perfekt, dann geht es nicht mehr besser, dann nimmt mich die Atmosphäre mit und trägt mich ganz weit weg von dem, was diese Stadt heute ist und dorthin, was sie einmal war und wieder sein könnte, wenn sich jene, die über die Mittel verfügen, ein wenig mehr Mühe mit dieser Stadt, die auch die ihre ist oder es zumindest sein sollte, geben würden.

Dann ist der Abend wieder viel zu schnell vorbei und ich husche hinaus in den Regen, nicht ohne mich über das Lächeln einer Freundlichen zu freuen, die mir meinen Mantel zurückgegeben hat.

In der S-Bahn, die wieder aus irgendwelchen Gründen viel zu früh am Nordbahnhof endet anstatt dort, wo sie enden soll, zehre ich noch lange von einem weiteren schönen Abend im schönsten Veranstaltungssaal dieser Stadt und freue mich schon auf den nächsten.

Ich komme immer wieder, versprochen.

 

 

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