Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Honk (13)

Der heutige Honk ist ein Nazi-Honk.

S-Bahn. Ring Höhe Hohenzollerndamm. Mir gegenüber sitzen zwei Türken. Einer mittelalt, einer jung. Es folgt der Auftritt des Honks mit einem irren Gesichtsausdruck als würde er zuhause im Keller seine eigenen Fäkalien in nach Wochentagen beschrifteten Einmachgläsern sammeln. Er hat drei lärmende, definitiv nicht erzogene Kinder im Schlepptau, dazu eine RTL2-gesichtige völlig vernachlässigte Frau und ist komplett überfordert mit sich, seinem Umfeld und der Welt – wie sich gleich herausstellen wird.

„Wat schüttelste denn’n Kopf, Kümmelfresser, ha ha ha, jibt ooch noch blonde und blauäugige Kinda, ja, merkste wat? Hättse nicht jedacht wa? Schüttelste dein Kopf, ne? Können sich nich benehmen, die Kinda, denkste wa?“

Können sie ja auch nicht. Sieht jeder. Wofür die Kinder aber nichts können, sondern ausschließlich ihre RTL2-Mitten-im Leben-Gosse-Eltern. Sie tanzen ihnen auf der Nase herum, die Kinder, hören nicht, schreien, nerven, schmeißen Kram durch die Bahn, sind einfach schlecht erzogen. Das lässt der Honk dann eruptiv an zwei freundlichen Türken aus, die niemandem etwas getan haben, und gibt damit genau dasjenige schlechte Vorbild ab, das seine Kinder adaptieren und als Ballast in Form eines deformierten Charakters ihr ganzes Leben mitschleppen werden.

Muss ich noch erwähnen, dass niemand über die Kinder den Kopf geschüttelt hat? Niemand. Nicht mal ich. Man kennt die Auftritte deformierter Charaktere in dieser Stadt an jedem Tag, in jeder Bahn – das hier ist Berlin, hier schüttelt keiner mehr den Kopf. Das letzte mal schüttelten irgendwelche alten Nazi-Omas über Rudi Dutschke den Kopf, starben ein paar Jahre später vor Gram und das war es dann mit Kopfschütteln in dieser Stadt. Ausgeschüttelt.

Nein, nix passiert, hier lebt nur jemand ein tiefsitzendes Trauma und seinen Selbsthass vor dem Hintergrund des eigenen Versagens aus, ganz klar, denke ich vor mich hin, während ich mich, ohne dass ich es will, für dieses Stück Scheiße von blödem Arschloch fremdschäme.

Es gibt sie immer noch. Sie sind mitten unter uns. Und manchmal bricht es aus ihnen raus. Aus den Honks. In der S-Bahn. Herzlichen Glückwunsch.

 

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