8. Mai

Hätte dieses Land nicht den Krieg verloren, dann gäbe es das hier nicht:

Ist das monströs. Ist das kitschig. Ist das pathetisch. Ist das großartig.

Und der Genosse mahnt:

Der unheimliche Genosse…

Derweil zerschlägt der Recke auf dem Hügel das unheilige Kreuz.

Heroisches …

… trifft Reih und Glied.

Und Symmetrie trifft ausladende Größe.

Es ist gut, dass es den Ort gibt. Es ist gut, dass er gepflegt wird. Es ist gut, dass man ihn nicht umbaut, Dinge entfernt oder wegfräst. Es ist gut, dass er so bleibt, wie er damals geschaffen wurde – in seinem historischen Kontext, den man immer mitführen, mitbedenken sollte, wenn man hier an diesem besonderen Ort Dinge liest, Dinge sieht, Dinge fühlt, die nicht mehr so recht passen wollen heute, mit so viel Distanz zu dem, was war.

Die Stadt leistet sich die Gelassenheit und die Größe, dieses Ehrenmal so zu belassen wie es ist, es muss nicht erklärt werden, es muss nicht eingefangen und schon gar nicht relativiert werden. Wer Geschichte erfühlen will und weiß, wo er die wenigen sichtbaren Reste einer dunklen Zeit einordnen muss, ist hier richtig, ebenso wie die, die nur wegen der großartigen Optik hierherkommen oder auch nur, weil Marco Polo den Ort als Hotspot empfohlen hat und die in ihrer gnädigen Unwissenheit mit ihren Ray-Ban-Hornissenbrillen eitel an den Blöcken posieren, an denen jemand, den sie gar nicht kennen, zur Verteidigung von Mütterchen Russland aufruft, als stünden sie vor einem quietschbunten Buddy Bär irgendwo am Potsdamer Platz.

Ich mag den Ort. Ich mochte ihn immer. Er ist etwas ganz Besonderes in dieser Stadt und es ist schön zu wissen, dass sich die Stadt ausnahmsweise mal um einen Ort wie diesen kümmert.

Sowjetisches Ehrenmal
Treptower Park


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