Ausgerechnet Spargel – ausgerechnet Brandenburg

Spargel.

In Brandenburg.

Ausgerechnet.

Der Spargelhof in Beelitz-Klaistow ist so eine Touristenfliegenfalle wie dieser komische Erdbeerhof von Karl irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern. Die haben ja sonst nix – da im Sand. Nur Spargel. Ich sehe Spargelikör, Spargelsenf, Spargelgeist, Spargeleis und gottverdammte Spargelnudeln. Spargelnudeln – und es gibt Verrückte, die das kaufen… ich hab’s gesehen…

Tiere streicheln kann man auch:

Für lau. Das ist gut. Auf der anderen Seite gibt es Wollschweine, Bentheimer-Schweine und Gürtelschweine neben Eseln, einem Pony und einer Menge Schafe. Prima.

Und wenn ich mal Oldies, Schlager und Evergreens brauche, dann ruf ich Rudi:

Aus der Hauptstadt sind extra die Weltstars der Berlin Swingers angereist. Ich kann mich kaum bremsen.

Um meine Begeisterung ein wenig zu kühlen, gehe ich in die Idiotenecke.

Hier blasen welche Kugeln auf, damit sich andere gegen Geld auf dem Wasser in den Kugeln zum Obst machen können.

Ich mache mich nicht zum Obst, sondern gehe was essen und erwarte das Mantra „Niemals in Touristenattraktionen essen“ ignorierend das Schlimmste, das Allerschlimmste, wir sind immerhin in Brandenburg. Da ist Essen nie gut. Oder kaum. Zumindest selten.

Weit gefehlt.

Das Essen ist überraschend angenehm, wie erwartet gibt es nur Spargel. Mit Schnitzel, mit Kartoffeln, mit Schinken oder pur. Der Spargel ist auf den Punkt zubereitet, er bleibt hier nicht wie anderswo gerne zu lange im Topf und nimmt dann die Konsistenz „Schlaffer Leichenpenis“ an, nein, bissfest, aber trotzdem durch. Das Schnitzel dazu ist wider Erwarten keine panierte Formfleischschuhsohle aus einer illegalen weißrussischen Fleischabfallfabrik, sondern gutes Schwein, keine Sensation, keine Offenbarung, aber wirklich gut.

Viel los hier, klar, wir sind hier in Brandenburg, die haben nichts anderes, um sich die Zeit zu vertreiben und außer Spargel gibt es hier außerhalb des Berliner Speckgürtels nichts, was irgendwie wirtschaftlich relevant wäre, insofern eine gute Sache, vor allem für Kinder mit Spaßgarantie und für die Erwachsenen mit erfreulich gutem Essen.

Den Touristenabzockefirlefanz in Form von Spargelbandnudeln, Spargelschnaps, Spargelgelee und den ganzen restlichen überflüssigen Mist habe ich dort in Klaistow gelassen, den können die gerne behalten und an Verrückte aus Übersee oder Westdeutschland verkaufen. Ich gehe dieses Jahr nämlich mit voller Absicht nicht zur blöden Betriebs-Weihnachtsfeier, an der wieder das jährliche Schrottwichteln für Hirntote stattfindet, das alle scheiße finden, weil es genauso dämlich wie einfallslos ist, was nur zur Folge hat, dass es auf jeden Fall jedes Jahr wieder gemacht wird.

Und genau deshalb brauche ich dieses Jahr gar keinen Schrott zum Verwichteln. Nächstes Jahr vielleicht. Dann kauf ich einen Topf Spargelgesichtscreme vom Spargelhof und hoffe, dass die Eule aus dem Materiallager den Scheiß zieht. Dann muss sie sich Spargelcreme ins Gesicht schmieren. Als Rache für ihren immer minderwertiger werdenden Tesafilm-Nachbau, den sie mir immer in die Hand drückt, und den Plastikabroller auf meinem Schreibtisch, der zwei Tage nach Ausgabe in seine drei Einzelteile auseinanderfiel.

Vielleicht hilft’s ja.

Es ist ein Text aus 2012, den ich auf dem ehemaligen Bewertungsportal Qype geschrieben habe. Da es Spargel jedes Jahr gibt, ebenso wie die Veranstaltungen und Produkte auf dem Spargelhof in Klaistow, ist er auf seine Art zeitlos. Ich habe ihn eigentlich nur noch einmal gepostet, um den großen Rudi nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.


Spargelhof Klaistow
Glindower Straße 28
14547 Beelitz Ortsteil Klaistow


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