Harz: FRIWI-Café

Ich hasse Kekse. Kekse haben für mich nur die Funktion, bei sinnlosen Meetings auf einem ranzigen Teller vor sich hin zu gammeln, nur um dann wieder eingepackt und bei nächsten sinnlosen Meeting wieder neu auf einem anderen ranzigen Teller serviert zu werden. Ich glaube, manche Kekse sind auf diese Weise seit Jahren in meiner Abteilung unterwegs, denn ich habe nie jemanden einen essen sehen.

Manche Kollegen munkeln, dass dieser eine ominöse Keks, dessen rissiger Schokoladenmantel oben schon weißliche Sprenkel gebildet hat und der immer etwas verschämt abseits auf der linken Seite des Tellers liegt, schon bei Gründung der Abteilung vor vielen Jahren anwesend war und schon fünf Abteilungen zuvor bei deren Gründung sowie zwei bei deren Abwicklung begleitet hat. Ein Keksveteran sozusagen, der wahrscheinlich schon mit der Wehrmacht vor Moskau gelegen hat. Neben dem Kommissbrot.Kekse können eigentlich nicht gut sein, es sei denn man backt sie selber, eine Mühe, die sich eigentlich kaum noch jemand macht. Ich auch nicht.

Und die Kekse aus dem Supermarkt – die klassischen Meeting-Kekse also – sind nie gut, weil sie von Anfang an lediglich als pures optisches Beiwerk – keinesfalls zum Verzehr geeignet – konzipiert sind, so wie die unverwüstlichen Meeting-Orangensaftfläschchen mit dem Humus am Flaschenboden, die auch nie jemand trinkt und die wahrscheinlich im Laufe der Jahre so viel Überdruck durch Gärung erzeugt haben, dass man sich damit problemlos auf die Rückseite des Mondes oder auf den Kometen Hyakutake katapultieren kann.

Ich habe ein Problem: Ich muss irgendwas aus dem Harz mitbringen. Sonst glaubt mir keiner, dass ich es bis hierhin geschafft habe. Was also mitbringen? Nordhäuser Pennerglück kommt nicht in Frage, weil es das auch bei Lidl in der Saufecke gibt, kulinarisch ist hier auch tote Hose – wer hat schon Bock auf Sülzfleisch in der Dose? – und Touristentand wie diese blöden Hexenpuppen würde ich mir nicht einmal in meinen rattenverseuchten Keller in Berlin-Prenzlauer Berg hängen.

Bleibt nicht mehr viel.

Außer vielleicht Kekse aus dem malerischen Stolberg. Verkauft in einem sogenannten FRIWI-Café. Oje.

Die Verkäuferin wählt den klassischen Schachzug: Sie möchte mich probieren lassen.

Nun war Stolberg für mich als Besucher schon eine Sensation, warum sollen nicht auch die Kekse gut sein.

Und sie sind gut.

Und wie.

Ich habe 13 Packungen gekauft. Warum 13? Keine Ahnung, hat sich so ergeben. Muss ja nicht alles einen Grund haben und ich muss ja nicht alles wissen.

Aber ich weiß, wo diese Kekse niemals landen werden: In einem Meeting meiner Abteilung.

FRIWI-Cafe
Niedergasse 21
06547 Stolberg


 

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