Harz: Gaststätte und Biergarten Capitol

Was herauskommt, wenn blumige Prosa auf knallharte Wirklichkeit trifft, kann man in der Gaststätte Capitol in Wernigerode besonders schmerzlich erleiden. Offeriert war eine Entenbrust an Walnusssoße mit Rosenkohl und Knödeln für irgendwas um die 13-14 Euro.

Warum ich das bestellt habe, weiß ich selber nicht. Ich glaube, mir erschien vor meinem völlig umnachteten Auge im Hungerwahn kurz vor dem Delirium eine auf Walnussöl basierende Vinaigrette, die ein zartrosa und durch die Haut gegartes Stück Ente wie ein Hauch umschlingt und von raffinierten Beilagen dezent begleitet wird.

Was kam, war ein Tiefschlag: Auf dem Teller befand sich ein totgebratenes graues Stück Fleisch mit einer gallertartigen Haut, trocken, betongrau, zäh und komplett durch, das man in einer bizarren Masse dicker schwerer Rotweinsoße ersäuft und unter einem Teppich aus groben Walnussbrocken begraben hat.

Die beiden Dum-Dum-Geschosse aka Gummiknödel waren natürlich aus der Tüte, weil es auch bei den Beilagen keinen Lichtblick geben darf.

Und so wollte auch der Rosenkohl nicht so recht der einzige sein, der auf dem Teller positiv hervorsticht und kam merkwürdig matschig, dabei unpassend säuerlich im Abgang und in viel zu viel Butter geschwenkt daher, um gut zu sein.

Um das Desaster perfekt zu machen, übermatschte man beide Beilagen mit überhaupt nicht knusprigen, da in viel zu viel Butter gebadeten Semmelbröseln. Herrlich.

Es war mein Fehler.

Denn niemand saß und aß da. Ganz Wernigerode war voll mit Touristen bei wunderschönem Wetter und überall waren alle Freiflächen belegt. Nur hier nicht.

So ein Desaster hätte man in weniger unterzuckertem Zustand voraussehen können. Eher müssen.

Mein Fehler. Kommt nicht wieder vor.


Gaststätte und Biergarten Capitol
Burgstr. 1
38855 Wernigerode 


 

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