Fischschuppen

In Friedrichshain an der Boxhagener kann man jetzt auch Fisch kaufen.

Diese Nachricht wäre nicht ganz so spektakulär, wenn man dort nicht auch noch richtig gut essen könnte. Was man hier anbietet, beherrscht man:

Die Austern (auch wenn die schon lange nicht mehr zucken, wenn man sie mit der Zitrone duscht),

die Pasta (großartig abgeschmeckt, wenige aber intensive Soße trifft hervorragenden Fisch),

den dicken Thunfischburger (der sich vor seiner fleischigen Konkurrenz weder vom Geschmack noch vom Handling her verstecken muss),

die Pommes (dick, aber gut und auf dem Tisch steht der Malzessig zum Duschen),

das Fischbrötchen (viel zu häufig schnell/schlecht/billig/scheiße zusammengemanscht – hier endlich mal nicht),

und zuletzt Fisch & Chips (erfreulich gut gebacken in erfreulich gutem Fett mit erfreulich gutem Teig – sekundiert von erfreulich guten Soßen und Ketchup, der tatsächlich mal schmeckt; und das ganze Machwerk wird zuletzt sauber mit weißem Papier abgetrennt auf einem Blatt Berliner Kurier serviert, womit diese unsägliche Idiotenzeitung für die sedierten Bescheuerten und Bekloppten dieser Stadt die beste aller möglichen Verwendungen gefunden hat: Als Unterlage für Fisch).

Toll.

Der Service ist rustikal und nur dann entnervend lahm, wenn der Chef nicht im Laden ist. Ist der Chef da, läuft die Sache rund, schnell und gut. Ist er nicht da, kann es dauern, dauern und wieder dauern – auch wenn man ganz alleine im Lokal sitzt. Ist wie bei mir auf Arbeit: Chef weg – Party on. Chef da – Maloche und Life sucks.

Dennoch, das hat gefehlt, hier am letzten Ausläufer der Boxhagener mit seiner giftigen Mischung aus treptower Billigranz und pseudohippem überteuerten Mitte-Fake-Touri-Schnöseltum. Wenn man jetzt noch am Service schraubt, ein wenig schneller, ein wenig motivierter wird, dann kann es eine Goldgrube werden.


Fischschuppen
Boxhagener Str. 68
10245 Berlin


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