Knoblauchkloake auf zwei Beinen

Neulich im Büro:

„Hau ab du stinkst!“

„Boar, ekelhaft, mach die Tür zu.“

„Ich muss gleich kotzen, Alter, was ist in deinem Maul gestorben?“

„Uargh, alles klar, du gehst definitiv mit zu dem sinnlosen Jour Fixe heute, dann dauert es wenigstens nicht so lange.“

„Alter geil, mir tränen die Augen, aber zumindest fallen die Obstfliegen tot von der Wand!“

Woran lag das?

Ich war im Knoblauchrestaurant.

Ich habe mindestens 50 Knoblauchzehen gegessen, eher 60. Oder 70. Gefühlte 500. Der Knoblauch waberte aus allen Poren, quoll aus den Ohren, kontaminierte die Haare, Fingernägel, Arschritze und dünstete von überall heraus in den letzten Winkel jedes letzten Raumes.

Danach war ich aus purem Sadismus im Fitnessstudio. Schwitzend. Rock on. Ich hatte alle Geräte im Umkreis von fünf Metern für mich allein. Einer beschwerte sich bei den Schießbudenfiguren von Trainern, aber die konnten nichts tun. Ein Knoblauchverbot steht nicht in den Hausregeln. So ein Pech.

Ebenso vereinsamt war ich später in der Tram, in der ich einen Radius an leeren Sitzen um mich zog wie der morgendliche Penner in der S-Bahn, der sich immer wahlweise eingeschissen oder vollgekotzt hat. Traurig, aber nicht zu ändern: Niemand wollte bei mir sitzen. Ich eigentlich auch nicht, aber ich musste ja.

Die Bettwäsche am Tag danach roch wie Kloake, wie dünne Babykacke nach zu viel Alete-Joghurt, vergoren, verfault, als wäre jemand darin gestorben, vor langer Zeit schon. Eine Milchshakefachverkäuferin frug mich auf drei Meter Entfernung aus dem Verkaufsraum über die Eistheke ins Freie hinaus, ob es denn heute Knoblauch gab. „Nee, gestern“, meinte ich und moderte den Atem des Todes zurück in den Raum. Sie fiel um, nachdem sie mir den Milchshake mit einem Teleskop-Greifarm übergab.

Knoblauch ist toll.

Mit Knoblauch schmeckt alles, jeder Idiot kann kochen, wenn er einfach nur Knoblauch an seine verbrannten Spiegeleier macht. Ja, mit Knoblauch schmeckt alles und im Knoblauchrestaurant zu Prenzlauer Berg sowieso.

„Hau ab du stinkst!“

„Boar, ekelhaft, mach die Tür zu.“

„Ich muss gleich kotzen, Alter, was ist in deinem Maul gestorben?“

„Uargh, alles klar, du gehst definitiv mit zu dem sinnlosen Jour Fixe heute, dann dauert es wenigstens nicht so lange.“

„Alter geil, mir tränen die Augen, aber zumindest fallen die Obstfliegen tot von der Wand!“

An manchen Tagen – vor allem nach Aktionen wie diesen – wundert es mich, dass ich immer noch meinen Job habe.

Knofel – Das Knoblauchrestaurant
Wichertstraße 33
10439 Berlin 

 

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