Senatsbetonköpfe

Liebesgrüße aus Berlin-Tempelhof:

Lasst die Finger von unserer schönen Betonwand. Nicht dass es hier zu bunt wird. Grau muss es sein, depressiv muss es sein, lebenstötend, suizidal. Sichtbeton, Arschbeton. Tanzen verboten, Lachen verboten, Plakate kleben verboten. Könnt ja schöner werden hier, bunter, lebensfreundlicher – boar, aber zum Glück wird es das nicht, zum Glück ist da dieser Hinweis auf den puren Beton gesprüht, der in jedem Endzeitfilm unglaubwürdig wäre.

Es muss ein Fake sein. Sprühen, so etwas macht der Senat nicht. Sprühen, pah! Der Senat hätte für viel Geld ein Schild herstellen lassen – Emaille oder so – und darauf verkündet, was hier alles so verboten ist.

Und das Schlimme daran ist, dass sich jeder daran hält, keiner plakatiert was, und sei es nur aus Protest, aus Bock, aus Lust. Nix. Es grüßt der blanke Beton, das ultimative Grau. Und jeder lässt das so, weil da steht, dass man es lassen soll. Rasen betreten verboten. Vor der Revolution bitte Bahnsteigkarte lösen. Schland.

Ich muss irgendwann bei Gelegenheit mal dagegen pinkeln, dann wird es wenigstens gelb.

Plakate kleben verboten. Ja. Wehe. Lasst unsere abstoßende Sichtbetonfratze bloß so schön widerlich wie sie ist. Sie ist nämlich ein Mahnmal – für Architektur zum Abgewöhnen.

 

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