Domian weint

Jürgen Domian weint auf Facebook:

(via Tapfer im Nirgendwo)

Ich kann kein Mitleid haben. Wer bei Facebook veröffentlicht, dem muss klar sein, dass Facebook dort nicht nur das Hausrecht hat, sondern es auch nutzt und das nicht zu knapp. Wer da ganz vorne mitspielt und sich produziert, der muss sich eben den dort geltenden Regeln beugen und die bedeuten, dass Dinge verschwinden können. Einfach so. Klick und weg.

Auch wenn das Domian jetzt offenbar überrascht: Die Inhalte auf seinem Facebookprofil gehören ihm gar nicht, nicht mal sein Profilbild mit der abgekupferten Denkerpose, dessen Rechte er mit dem Hochladen abgetreten hat. Ihm gehört nichts. Facebook gehört alles. So ist das Spiel. Take it or leave it.

Or whine.

Natürlich löscht Facebook. Völlig intransparent. Wie es will. Absolut willkürlich. Meistens sogar automatisiert. Oft reicht eine bestimmte Menge an Petzermeldungen von denjenigen, die mit einem Inhalt nicht übereinstimmen, und der Content ist im Datenorkus. Und weg. Oh wie schade.

Kommt schon, so naiv kann doch keiner sein. Facebook ist ein Konzern und Zuckerberg eine Charaktermaske ohne Moralkompass – jeder weiß das und doch sind alle überrascht, wenn es dann plötzlich passiert und man vorgeführt wird. Wie jetzt Jürgen Domian. Posting weg. Skandal! Zensur! Bitte teilt meinen Text! Ich klage an!

Nein, ich will irgendwie kein Mitleid haben mit ihm. Sorry. Wenn Blogger abgemahnt werden und Spenden sammeln, ist das etwas völlig anderes, dann gerne, bitte sehr, hier ist mein Monatsrest vom Konto, aber ein trauriger Facebooker, der sich beschwert, dass er als die Contentlegehenne behandelt wird, die er ist? Nope. Ist mir egal. Stört mich nicht. Selbst schuld.

Und wie bigott das ist: Erst jahrelang munter und kritiklos das Spielchen mitspielen, dieses bekanntermaßen fragwürdige Medium zum eigenen Vorteil nutzen, mitnehmen was geht, eitel Klicks sammeln und dann, wenn der automatisierte Löschapparat mal bei einem selber zuschlägt, weinen und „Zensur!“ brüllen. Und dazu noch mit dem Brustton der Empörung hervorheben, dass man ja immer brav war und die Richtlinien eingehalten hat bevor man zuletzt gleich wieder das Ende der Demokratie beschwört. Du meine Güte.

Warum nicht einfach den Facebook-Account löschen und einen eigenen Blog aufmachen? Klar, weil dann plötzlich nicht mehr 30.000 Follower das eigene Geblubber am laufenden Band routineliken, sondern vielleicht nur noch 30 anonyme Versprengte in der täglichen Besucherstatistik auftauchen, davon 13 Suchmaschinen- und 5 Spambots. Für ein Mediengewächs mit Reichweitenanspruch und einem offenbar nicht unerheblichen Sendungsbedürfnis wäre so ein Aufmerksamkeitsabsturz schwer zu verkraften.

Nein, das geht nicht. Dann lieber öffentlichkeitswirksam weinen, noch ein paar Likes sammeln und doch keine Konsequenzen ziehen. Traurige Nummer. Trauriger Hype.

 


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