Green Bamboo

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Und wieder eines von vierhunderttausend Milliarden vietnamesischen Restaurants der Stadt, in dem wieder das Übliche von Kokoscurry bis gebackenes Hähnchen angeboten wird.

Es ist aber eines von den Besseren.

Leider nur manchmal freundlicher Service trifft ausgesprochen gutes Essen. Ja, der Service, der weibliche zumindest, freundlich nicht immer, eher selten freundlich, eigentlich fast nie, eher oft so freundlich wie ein Drillsergeant, mein alter Mathelehrer oder die unvergleichlichen Aushängeschilder und lebenden Fossilien der Serviceorientierung Anno 1904: Das Bezirksamt Pankow.

Die Misosuppe ist in Ordnung, wenn man sie mit Lachsstückchen pimpt, was einen kleinen Aufschlag kostet. Sonst ist sie ein wenig zu nichtssagend. Leider gibt es sie mittags nicht, ebenso wenig wie Sushi. Schade.

Die Hauptspeisen sind in der Regel sehr gut, das Rindfleisch ist natürlich nicht das Beste, sondern eher etwas sehr schuhsohlenartig, aber was kann man für 5,90 schon erwarten? Angus-Filet? Nein, kann man nicht, deswegen ist es kein Angus, sondern eher wie ein Stück der senilen Kuh Berta aus Eberswalde, die dringend notgeschlachtet werden musste, weil sie es leider nicht mehr raus auf die Wiese geschafft hat.

Die alte Berta ist aber gut verarbeitet, schön süß-sauer abgeschmeckt und mit frischem und sehr angenehmen Gemüse drapiert. Auch wenn man Hühnchen nimmt, macht man – auch mit der frittierten Version – nichts falsch.

Der Service ist wenn schon nicht freundlich extrem schnell, obwohl er nur aus einer Person besteht, eine Person, die auch ein volles Haus zu Mittag mit den üblichen Sonderwünschen und Extrawürsten nicht aus dem Konzept bringt. Hier arbeitet ein Profi. Vorbildlich. Und hier schließt sich der Kreis: Wer die ganze Zeit rennt, hetzt, rast, dem fehlt halt die Muße, freundlich zu sein. Man kann wohl nicht alles haben.

Ich verstehe das.


Green Bamboo
Falckensteinstr. 5
10997 Berlin