Wildpark Schorfheide

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Den Besuch im Wildpark Schorfheide im tiefsten Brandenburg muss man sich als Bahnfahrer erstmal erarbeiten. Vom Bahnhof des verträumt-malerisch vor sich hin schnarchenden Dorfes – dessen Namen ich vergessen habe – sind es noch gefühlte fünf Kilometer zu laufen, diese allerdings über einen landschaftlich reizvollen Weg, ohne eine Spur finsterer Plattenbau-Schluchten oder vor sich hinfaulender Chemiewerke, die man sonst in Brandenburg erwartet.

Im Wildpark präsentiert sich dann eine weitläufige äußerst reizvolle Landschaft mit liebevoll gestalteten und voll auf die Bedürfnisse der Tiere zugeschnittenen Gehegen. So kann man manchmal gar keine Tiere sehen, wenn diese gerade keinen Nerv auf seltsame Zweibeiner haben und sich lieber in der Weitläufigkeit des teils dschungelgleichen Unterholzes verstecken. Dann ist der Elch eben weg und chillt wahrscheinlich irgendwo im Farn hinter Baumstämmen, aber das ist auch sein gutes Recht. Dafür sahen wir ein dickes Wildschwein, massig Rehe und Hirsche, Wölfe, Mufflons, Pferde, skurrile Rinder, einen knuffigen Waschbär. Nicht nur für Kinder eine tolle Sache.

Der Wildpark ist gut besucht, was aber aufgrund der Weitläufigkeit nie unangenehm wird, man wartet dann eben fünf Minuten bis die lärmende Zwergenhorde oder der werderaner Obstweinpöbel weitergezogen ist und kann dann in Ruhe mit den Tieren weiterchillen, zumindest bis zur nächsten Zwergenhorde oder den nächsten Obstweinrotgesichtern.

Die meisten Tiere ziehen sich das Kreischen und Brüllen der Besucher ungerührt rein, als würden sie sich fragen, was der ganze Zirkus hier soll.

So steht zwischen Aussichtsplattform und den Wisent-Rindern ein mächtiger champagnerfarbener Ochse mit fußballgroßen Eiern – ein beeindruckend cooler Testosteronbolzen ohne den Ansatz einer Gemütsregung, der mit seinem Pokerface jedes Turnier gewinnen würde.

Herzlichen Glückwunsch.

Wildpark Schorfheide 
Prenzlauer Strasse 16
16244 Groß Schönebeck