Meine Güte, da steht einer am Kiosk!

 

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Meine Güte, seht ihr den? Da steht einer! Ein Opa. Echt! Am Kiosk! Ja, genau an dem Kiosk, an dem nie einer steht, weil der nur Scheiß verkauft, den keiner an einem Kiosk kaufen möchte: Blumen, Gummibärchen vom Lidl nebenan, Zündhölzer, Luftballons, kleine Chipspackungen wie aus dem Flugzeug, irgendwelche Bastelscheiße, winkende Katzen, Vasen, Ziertand, Dekogeröll, Staubfänger-Gelump.

Und wer betreibt den Kiosk? Vietnamesen! Wer sonst? Sonst kommt keiner auf die Idee, an einer gottverlassenen Hauptverkehrsaderkreuzung wie der Wisbyer Ecke Stahlheimer ohne nennenswerte Laufkundschaft so ein sinnloses Ding zu betreiben. Es gibt nicht mal Kippen! Und auch keine Flachmänner. Und nur eine kleine Handvoll Lokalzeitungen, die sonst schon keiner kauft und hier erst recht nicht.

Und die blöde Berliner Woche liegt auch da rum, das ist dieses Anzeigenkäseblatt, von dem dieses Arschloch von Anzeigenkäseblattverteiler jede Woche zwei oder gleich drei in meinen Briefkasten schmeißt, von wo ich sie rausfische und zusammen mit wichtigen Rechnungen, die zwischen die Anzeigenkäseblattseiten geraten sind, in der Biotonne meines Lieblingsnachbars, des Müllzettelnazis, entsorge, danach sicherheitshalber nochmal nachschaue und die Rechnungen aus der Biotonne rausfischen muss, damit der bekloppte Müllfetischist nicht merkt, wer ihm da immer seine heilige Biotonne mit Unrat zukackt.

Der Kiosk. Nie sehe ich da jemanden stehen. Niemand will den Kram haben. Trotzdem hält der sich seit Jahren. Kürzlich haben die sogar renoviert, neue Bretter an die Bude gehauen und lackiert. Was ist da los? Wer finanziert das? Und was soll das? Hier kauft keiner. Hier sollte man nicht investieren, hier sollte man zusperren.

Der Opa, der da steht, denk ich mir, fragt bestimmt nach dem Weg zum Friedhof, damit er schon mal vorgehen und sich der Abdecker das Transportieren sparen kann oder er erzählt ein letztes mal die Geschichte, wie er mit der Wehrmacht in Polen eingefallen ist und wie sich die Polen alle gefreut haben damals, dass endlich die Deutschen kommen. Irgendsoetwas wird es schon sein, denn kaufen wird er sicher nichts von den Schrottwichtel-Utensilien aus der Auslage.

Vietnamesen, ich bewundere sie. Immer schon. Sie eröffnen an den sinnlosesten Orten Geschäfte mit Dingen, die keiner haben will, der bei Verstand ist. Unverdrossen, optimistisch, zäh, nicht kleinzukriegen. Hätte man mich damals gefragt, ich hätte Johnson und Nixon gesagt, dass man jeden Krieg gegen dieses tapfere, freundliche Volk verlieren wird.

Und heute kämpfen sie weiter. Gegen das Wetter. Gegen den Kontostand. Gegen die Zinsen des Kleinkredits. Und gegen blöde Ecken eines blöden Bezirks, die einfach nicht für Kioske gemacht sind.

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