Glückliches Asien

Glückliches Asien

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Happy Asia. Friedrichshain. Boxhagener. Ich war vor einigen Jahren schon einmal dort und danach nie wieder. In den vermoderten Ecken meines degenerierten Hirns geistert noch die Erinnerung an Eimeressen herum: Kokosmilch, Dosenpilze, Gruselsprossen, Gummihühnchen.Ich war jetzt wieder da, warum weiß ich nicht, vielleicht weil „Neueröffnung“ auf den Schaufenstern klebte. Jetzt hat also der Schwager übernommen. Oder der Bruder. Oder der Schwippschwagerbruder.

Der hingegen kann kochen.

Wenn auch nicht sprechen.

Der erste Bestellversuch muss abgebrochen werden, weil der Satzversuch „Zum Trinken bitte ein Wasser mit Sprudel… Sprudel… Kohlensäure… Kohlen. Säure. Blubb Blubb Blubber. Nein? Gas? Gas. Mit Gas. Au Mann.“ ein Dauerfragezeichen auf das freundliche Gesicht zaubert, das nicht mehr weggeht.

Die Misosuppe hier ist überraschend dicht und ohne prekäre Dosenzutaten, sie schmeckt intensiv und nicht instantartig wie so oft. Die Sauer-Scharf-Suppe ist die Überraschung. Die Erwartung ist Eimer. Industrieeimer. Bekommen habe ich auch Industrieeimer, aber verfeinert mit Ingwer, ordentlich scharfem Zeug und frischen Pilzen. Das kann ich gelten lassen, das war wirklich gut.

Das Hauptgericht ist nicht ganz so soßenüberlaufen wie ich es erwartet habe, sondern nur ein wenig, dafür aber geschmacklich ausgesprochen gut, weil scharf. Rotes Curry in scharf, dass ich das noch erleben darf. Mutig mutig. In Deutschland. Mal sehen wie lange man die Linie durchhält, wenn sich die üblichen Weichkekse im Stundentakt über Schärfe in einem Gericht beschweren, die da einfach hingehört.

2 Suppen. Ein Hauptgericht. Ein Wasser. 10,80. Was kann man denn dagegen sagen?

Das Sushi fällt leicht ab. Etwas banal, nur teilweise solide und manchmal ärgerlich, wenn die Algenhaut sich vom Reis abpellt und sich andersrum aufrollt. Dann wirkt das Sushi mit der heißen Nadel gestrickt, hektisch produziert und lieblos. Ungekonnt.
Der Ingwer ist nicht ganz der schlechteste, die Sojasoße dafür schon und der Wasabi irritierenderweise nicht scharf. Senfpulver vergessen? Was ist da los?

Vier Dinge sind bemerkenswert in dem Laden:1. Das Sprudelwasser gibt es immer, zumindest immer wenn ich da bin, fast ohne Sprudel als wär das Absicht.
2. Aus den Boxen klingt arabische Bauchtanzmusik, was im Zusammenspiel mit meinem vermutlich vietnamesischen Gegenüber ein mehr als merkwürdiges Bild abgibt.
3. Die Sommerrollen sind so dick und groß, dass auch eine erfahrene Prostituierte davon Maulsperre bekommen würde.
4. Die banalen Holzstäbchen statt des profanen Bestecks gibt es nur auf Anfrage – jetzt weiß ich woran man hier spart.Ja, es geht aufwärts, nicht nur mit der Größe der Portionen, die jeden europäischen Magen satt bekommen sollten, auch geschmacklich sehe ich hier an dieser chronisch miesen Ecke Boxhagener/Neue Bahnhofstraße endlich ein wenig Licht am Ende des Bergwerkstollens. Man muss auch mal loben.

Happy Asia
Boxhagener Str. 57
10245 Berlin